Bundespflegekammer – Selbstorganisation juchhe oder adé?

Pflege bewegt immer mehr Menschen in Deutschland. Und das ist sicht- und hörbar: Hat sich der mediale Kreis vor einigen Monaten noch um die Situation geflohener Menschen in Deutschland gedreht, rückt nun die pflegerische Versorgung immer stärker in den redaktionellen Fokus. Viele Menschen sind genervt, wenn sich die Reportagen, Interviews und Berichte zumeist mit der Rhetorik politischer Randgruppen beschäftigen, während wichtige Themen unbehandelt bleiben. Deshalb tut man gut daran, die Pflegepolitik immer mehr in den Mittelpunkt eines gesellschaftlichen Diskurses zu bringen. Doch reden allein ändert keine Verhältnisse. Die teils überaus kritischen Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege sowie die mangelhafte Refinanzierung klinischer Pflege sind Problemfelder, die nicht tragbar sind. Wirtschaftliche und menschliche Existenzen stehen auf dem Spiel. Es ist daher an der Zeit, gemeinsam politische Forderungen zu formulieren.

Unser Autor Markus Lauter spricht sich deutlich für die Schaffung einer Pflege-Lobby aus, die medial und politisch nicht zu umgehen sei. Die Selbstorganisation der Pflegeberufe kann einen positiven Effekt auf die Professionalisierung der Pflege haben und somit auch auf die Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland. Als berufliche Selbstverwaltungsorgane von professionell Pflegenden sind Pflegekammern wichtige Ansprechpartner in Sachen der Gesundheitsversorgung der Menschen. Im Gesundheitswesen ist die berufliche Pflege die größte Berufsgruppe. Sie kann damit nicht mehr verkannt werden. Da jedoch gerade einmal in einem Bundesland eine Landespflegekammer als kompetenter Ansprechpartner in der Pflegepolitik verfügbar ist, sollte in der mit Hochdruck geführten Debatte zur Einrichtung einer Bundespflegekammer die Diskussion dahingehend geführt werden, wie mit dem offensichtlichen Mangel an pflegerischer Selbstorganisation in der Mehrheit der Bundesländer umgegangen werden soll. Fraglich erscheint, welchen Nutzen Pflegebedürftige und beruflich Pflegende aus einem Verwaltungsorgan ziehen können, das nur in Teilen eine demokratische Legitimation besitzt. Der Aufbau der Bundespflegekammer muss im Vorfeld wohl durchdacht sein, um mit einem schlüssigen Konzept gut gewappnet an den Start gehen zu können. Den ausführlichen Beitrag von Markus Lauter lesen Sie hier.