Stress aus, Natur an – ab ins Grüne

Wenn der Alltag im Rekordtempo vorbeizieht und die Gedanken im Kopf einfach nicht zur Ruhe kommen, ist es Zeit die Stopp-Taste zu drücken. Die Natur ist dabei oftmals das beste Heilmittel. Und gerade im Sommer lässt es sich nirgends besser abschalten und entspannen, als in Wäldern, auf Wiesen oder in den Bergen. Eine Betrachtung über den positiven Einfluss der Natur auf unsere Zufriedenheit.

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Autorin Mela Hipp in der Almhütte Brandleit im Zillertal

Stille. Ich bleibe stehen und versuche etwas zu hören. Doch da ist – nichts. Kein Motorenlärm, kein Flugverkehr, keine Stimmen, keine Hektik. Stattdessen ein fröhlich zwitschernder Vogel hier, eine zirpende Grille da. In der Ferne ist das leise Plätschern eines Bachs zu hören, der sich den Weg durch den Wald bahnt.

Das Ziel in der Natur erreichen

Es sind Momente wie diese, die mir immer wieder vor Augen führen, wie erholsam die Natur für unseren Kopf, aber auch unseren Körper ist. Saß ich morgens noch im Büro, jonglierte E-Mails, Anrufe und Meetings, stehe ich am frühen Nachmittag mitten im Wald und bin umgeben von Ruhe. Mit jedem Schritt, den ich zurücklege, kehrt nach und nach mehr Stille in meinem Kopf ein, meine Muskeln entspannen sich und mein Kopf und mein Körper konzentrieren sich rein auf die Bewegung. Dabei tut es auch gar nichts zur Sache, ob ich abends zum Sonnenuntergang noch einen Spaziergang in den nahegelegenen Wald mache oder am Wochenende zu einer Gipfeltour in die Berge aufbreche. Der Effekt ist jedes Mal derselbe: Habe ich zu Beginn noch zahlreiche Dinge im Kopf und erstelle imaginäre To Do-Listen und denke darüber nach, welche Aufgaben mich morgen im Büro erwarten, wird mein Kopf spätestens nach dem ersten Anstieg freier und ich nehme die Umgebung um mich bewusster wahr.

Blumenwiese-Reither Kogel

Spätestens beim Erreichen meines Ziels – in meinem Fall oftmals ein Berggipfel oder eine Almhütte – stellt sich in mir ein Gefühl völliger Zufriedenheit ein. Zufrieden, weil ich den mühevollen Aufstieg erfolgreich hinter mich gebracht habe, aber auch, weil mein Kopf frei ist und ich mich darauf besinnen kann, wie gut es mir doch eigentlich geht. Klein sind die Sorgen und der Stress, die ich unten im Tal zurückgelassen habe, groß die Demut vor der Natur und das Glück, diesen Platz mein Zuhause nennen zu dürfen. Nirgendwo fällt es mir leichter, einfach nur zu sein und minutenlang die Natur und das Panorama zu genießen, als hier oben am Berg.

 

Zufrieden trete ich den Rückweg an, mit dem Wissen, dass der nächste Ausflug ins Grüne nur eine Stopp-Taste von mir entfernt liegt.

Wiesenblumenstrauß in der Natur

In der Natur zu Ruhe kommen

Stress abbauen, Geist freimachen, Gesundheit fördern – schon längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass bereits ein paar Minuten in der Natur das Wohlbefinden und die Zufriedenheit steigern. Dabei müssen es nicht gleich die Berge sein, selbst in den Städten finden sich meist Wälder und Wiesen direkt am Stadtrand. Entscheidend ist auch nicht, wie viele Kilometer oder Höhenmeter wir zurücklegen, sondern wie bewusst und achtsam wir die Natur wahrnehmen.

 

Japanische und amerikanische Studien zeigen, dass Atemwege, Herz-Kreislauf-System und unsere Abwehrkräfte von der Natur profitieren. In den 80er Jahren wurde in Japan erstmals „Shinrin Yoku“, das so genannte Waldbaden, als erfolgreiche Anti-Stress-Therapie eingesetzt. Hauptgrund für den Erfolg sind aromatische Duftstoffe, die von Bäumen abgegeben werden. Das Grün des Waldes, wirkt sich zudem positiv auf unsere Psyche aus. Zwar umfasst Waldbaden im eigentlichen Sinn Meditationen, Achtsamkeits- und Atemübungen, doch führt oftmals schon ein einfacher, bewusster Spaziergang zum gewünschten Effekt.

Naturspaziergang mit Blick auf Innsbruck

Selbst in deutschen Großstädten, wie Hamburg, Berlin oder München, ist die Möglichkeit zu einem Ausflug ins Grüne oft näher als gedacht. So führen in Berlin etwa die 20 grünen Hauptwege zum nächsten Naherholungsgebiet und nutzt dabei die grünen Korridore der Stadt, in Dresden lässt es sich hervorragend durch die Weinberge wandern und in Wien führt der rundumadum-Wanderweg gar einmal um die Stadtgrenzen und zeigt die grüne Seite der Stadt auf. Wer Ideen und Inspiration für mögliche Naherholungsziele und Wanderwege sucht, wird beim Verband Deutscher Naturparke ebenso fündig wie beim Deutschen Wanderinstitut. Immerhin sind 27% der deutschen Landesfläche Naturschutzgebiet, über 100 Naturparks laden zu unterschiedlichsten Naturerlebnissen ein.

 

Für all jene, denen ein kurzer Ausflug in die Natur nicht Erholung genug ist, bietet sich dann noch die Möglichkeit einer Fernwanderung an. Oder aber ein einsames Wochenende auf einer abgelegenen Almhütte, ohne Großstadttrubel und Handyempfang. Denn mal ehrlich: dass das Smartphone im Wald oder am Berg keinen Empfang hat, wirkt sich auf den entschleunigenden Effekt der Natur doppelt positiv aus…