Achtsam durch den Tag – ein Experiment zum Nachmachen

Jetzt, wo der Sommer sich verabschiedet und das Leben wieder ruhiger wird, ist genau die richtige Zeit, um sich wieder etwas mehr um sich selbst zu kümmern. Viele Situationen am Tag können wir achtsamer wahrnehmen, wenn wir ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken und hin und wieder innehalten. Unsere Autorin hat für euch festgehalten, welchen Momenten sie im Alltag mehr Achtsamkeit schenkt und sich dadurch am Abend zufriedener fühlt.

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Audio-Version dieses Artikels:

Achtsamkeit bedeutet, bei einer Sache zu sein, sich zu konzentrieren und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Und das macht glücklich! Photo: Mirjam Michaelis.

Kennst du das? Du sitzt abends auf dem Sofa und denkst: „Wo ist der Tag heute nur geblieben?“ Er ist quasi nur so an dir vorbeigeflogen!

Ich kenne das und habe herausgefunden, dass es mir meist so geht, wenn ich viele Sachen auf einmal gemacht habe. Dass „Multitasking“ ein Mythos ist, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Es bedeutet viel mehr, viele Dinge völlig unachtsam und hektisch zu erledigen und dabei immer nur halb bei der Sache zu sein. „Menschliches Multitasking gibt es nicht“, sagt Ernst Pöppel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians Universität München. Und weiter: „Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann immer nur ein einziger Sachverhalt im Zentrum des Bewusstseins stehen“, so der Neuropsychologe. Achtsamkeit ist das Gegenteil. Es bedeutet, bei einer Sache zu sein, sich zu konzentrieren und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Ich habe es einen ganzen Tag lang ausprobiert und war am Abend viel erfüllter und zufriedener.

Meine Erfahrungen möchte ich gerne mit euch teilen. Daher habe ich eine Anleitung mit Achtsamkeitsfragen zur Reflexion aufgeschrieben, die mich – und vielleicht nun auch dich – durch den Tag begleiten und dir mehr Umsicht schenken werden. Mein Tipp: am besten eignet sich ein ruhiger Sonntag für das Achtsamkeits-Experiment:

Photo: Mirjam Michaelis.

1. Aufwachen

Nachdem du aufgewacht bist, bleibe noch etwas im Bett liegen. Recke und strecke dich und fühle einmal, wie sich deine Arme, Beine, dein Rücken und Kopf anfühlen. Atme mindestens drei Mal tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus.

 

2. Frühstück/Mittag-/Abendessen

Egal ob du dir einen Tee, Kaffee oder irgendwas anderes zu trinken machst, rieche daran, bevor du es trinkst. Wonach riecht es? Woran erinnert dich der Geruch?

Bei deinen nächsten Mahlzeiten, halte hin und wieder inne und frage dich:

Wonach schmeckt es?

Welche Temperatur hat das Getränk?

Wie fühlt es sich im Mund an?

Wie riecht die Mahlzeit, die zu dir nimmst?

Wie hört es sich an, wenn du es in deinen Mund nimmst? (z. B. das Knacken eines frischen Brötchens)

Wie schmecken die einzelnen Komponenten?

Photo: Mirjam Michaelis.

3. Spaziergang

Vielleicht kannst du an diesem Tag einen Spaziergang in der Natur machen. Versuche heute mal, dein Smartphone während des Spaziergangs aus der Hand zu legen und nutze deine Sinne, um alles um dich herum genau wahrzunehmen:

Wonach riecht die Luft? Erinnert sie dich an etwas?

Wie fühlt sich die Luft auf deiner Haut an?

Welche Tiere/Geräusche kannst du hören?

Welche Farben haben die Blätter der Bäume?

Macht der Boden Geräusche, wenn du auf ihm läufst?

 

4. Meditation

Setze dich aufrecht auf einen Stuhl. Lege deine Hände auf deine Oberschenkel, deine Schultern sind locker und entspannt. Atme drei Mal durch die Nase tief ein und durch deinen Mund ganz lang aus.

Lasse nun deinen Atem ganz natürlich fließen und beobachte ihn dabei.

Nimm deinen Atem einmal ganz bewusst war, so, als würdest du ihn zum ersten Mal spüren, wie ein Forscher, der jemandem erklären muss, wie es sich anfühlt, wenn du ein und ausatmest. Ist die Luft kühl? Wo im Körper nimmst du die Atmung wahr?

Photo: Mirjam Michaelis.

5. Den Tag ausklingen lassen

Setze dich einmal an ein Fenster und schaue in den Himmel.

Was siehst du?

Noch Wolken? Und wenn ja, schau sie dir einmal genau an.

Schon Sterne und den Mond? Schaue auch diese einmal genau an.

Welche Form und Farbe haben Sie?

Genieße dabei die Ruhe und stimme dich auf deinen Abend ein.

Du kannst natürlich noch viel mehr Situationen am Tag mit besonders viel Achtsamkeit begegnen. Ich habe zum Beispiel einen Hund und streichle ihn dann bewusst und beobachte ihn ganz genau.

Also, mach das Beste aus deinem Tag und nimm ihn ganz bewusst wahr, damit du mehr von ihm hast.

 

Bleib schön achtsam, 

Deine Mirjam

Unsere Autorin und ihre Hündin Bella sind achtsam im Wald unterwegs. Photo: Mirjam Michaelis.