Alles auf Anfang: die Neustarter-Stiftung

Die Neustarter-Stiftung bietet eine Plattform rund um den Generationenaustausch und beruflichen Neustart im Alter. Geschäftsführerin Bernadette Höller erzählt uns wie viel Spaß die Arbeit in der Stiftung macht. Wir lernen die studierte Gerontologin jedoch auch auf persönlicher Ebene näher kennen und erfahren auch, was Führung in ihren Augen bedeutet.

 

Die Neustarter-Stiftung erfrischt mit ihrer Plattform den Arbeitsmarkt 49plus. Geschäftsführerin Bernadette Höller erzählt uns wie viel Spaß die Arbeit in der Stiftung macht. Wir lernen die studierte Gerontologin jedoch auch auf persönlicher Ebene näher kennen und erfahren auch, was Führung in ihren Augen bedeutet.

Ende siebzig und der Ruhestand erscheint zu ruhig. So geht es nicht wenigen.

Mitte fünfzig, voller Energie aber gelangweilt vom alten Job. Ende siebzig und der Ruhestand erscheint zu ruhig. Im besten Alter, doch unzufrieden mit dem Stand der Dinge. So geht es nicht wenigen. Das dachte sich auch die Alter(n)swissenschaftlerin und Unternehmerin Bernadette Höller, als sie im September 2016  begann die heutige Neustarter-Stiftung umzukrempeln.  Hier trifft jede*r auf ein offenes Ohr, die/ der nach erster Karriere oder gewundenem Werdegang beruflich nochmal neu durchstarten möchte. Die Neustarter-Stiftung ist unabhängig, gemeinnützig und hat ihren Sitz in der schönen Schweiz. Bernadette und ihr Team beschäftigen sich hier täglich mit Generationenfragen, mit der Förderung des Austauschs sowie des Ausgleichs zwischen jüngeren und älteren Menschen. Das Portal der Stiftung, Neustarter.com, ist mittlerweile eine erfolgreiche Plattform für Unternehmen und Privatpersonen rund um die Arbeit und berufliche Veränderung 49+.

Bernadette Höller hat sich auf dem freien Markt schon in verschiedensten Positionen ausprobieren und beweisen können.

Kopfüber in die Stiftungsarbeit

 

Die studierte Gerontologin Bernadette Höller hat sich auf dem freien Markt schon in verschiedensten Positionen ausprobieren und auch beweisen können, bevor es für Sie einen Schritt weiter ging: in die Führungsetage einer Stiftung! “Mein Studium der Gerontologie mit Schwerpunkt Sozialplanung und Management hat mir eine gute wissenschaftliche Grundlage mit auf den Weg gegeben. Allerdings habe ich auch ganz viel von dem, was ich heute mache und erzähle, während meiner verschiedenen Tätigkeiten gelernt, sozusagen learning by doing“, betont Bernadette.

Bevor Sie die Stiftungsarbeit aufnahm, hat sie alle zwei bis drei Jahre etwas komplett Neues angefangen. Schlecht sei dies nicht gewesen, wie sie klarstellt. “Denn dabei habe ich viele Erfahrungen gemacht und Netzwerke aufgebaut. Heute verbindet sich plötzlich alles, Synergien entstehen. Das ist ohnehin mein Tipp an alle, die sich in der Karriereplanung befinden: Weniger planen, mehr machen. Am besten Dinge, die man noch nicht kann. Neues lernen! Oder um in Design-Thinking-Sprache zu sprechen: Understand, explore, realise, understand, explore – und immer so weiter. Mit diesem strukturierten Vorgehen verzettelt man sich nicht so sehr, vermeidet Stillstand, gute Sachen passieren und ein spannendes Netzwerk entsteht.”

Ein Anlaufpunkt für alle, die sich neu orientieren wollen

Werfen wir einen Blick auf die Arbeit der Neustarter-Stiftung. Zu den übergeordneten Aufgaben des Stiftungsteams gehört die Etablierung und vor allem auch die Nutzung von Generationenvielfalt in Unternehmen, die Definition und Kommunikation des Mehrwerts alternder Belegschaften im digitalen Wandel und die stete Frage, was Erwerbstätige in der Lebensmitte benötigen, um sich beruflich ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechend entwickeln zu können. Dazu gehört auch die Recherche und Weitervermittlung rechtlicher Rahmenbedingungen, zum Beispiel hinsichtlich der Weiterarbeit im Rentenalter. Laut Onlineauftritt Neustarter.com ist die Stiftung damit ein idealer Anlaufpunkt für alle, die Inspirationen zur beruflichen Weiterentwicklung sowie den Austausch mit Personen suchen, die sich ebenfalls gerade neu auf dem Arbeitsmarkt orientieren. Auch wer fernab des klassischen Praktikumsalters auf Praktikumssuche in einem Start-Up Unternehmen ist, findet bei Neustarter ein maßgeschneidertes Angebot namens „Praktikum Arbeitswelt 4.0“, das im Jahr 2021 weiter ausgebaut wird.

 

Der gewundene Weg zur Geschäftsführerin von Neustarter.com

Es klang bereits an. Bernadette hat die Chance genutzt, sich vielerorts beruflich auszuprobieren. Hier finden Sie einen Überblick über ihren Werdegang: 

Über Gesellschaftsformen, den Corona-Alltag und geistige Zerstreuung

Die ehemalige Tertianum-Stiftung, die Bernadette und ihr Team schließlich zur Neustarter-Stiftung gemacht haben, kann einen Teil der anfallenden Kosten über Partnerschaften* decken. “Das ist gut, denn das gibt uns die Möglichkeit wirklich gemeinnützig tätig zu sein.”, erklärt Bernadette. „So z. B. im Rahmen unserer Stammtische für beruflich Neustartende in der Forschung sowie im gesellschaftlichen Diskurs.” Jetzt gerade steckt das Stiftungsteam bis zu den Ellenbogen in Projekten, unter anderem mit der Universität St. Gallen (Schweiz). Hierbei gilt es im Rahmen des St. Gallen Diversity Benchmarkings (eine vergleichende Analyse) gute Standards für Vielfalt und Inklusion in Unternehmen zu entwickeln. Ein Vorhaben also, das ethisch wie wirtschaftlich von großer Bedeutung für Firmen ist.

Die “Corona-Krise” geht auch an der Neustarter-Stiftung nicht ganz vorbei. Die Arbeit bricht zwar nicht ab, findet aktuell aber räumlich isoliert am Schreibtisch statt. “Daher freue ich mich schon sehr darauf, wenn die live Workshops und Trainings wieder losgehen und man auch mal wieder einen Tee mit jemandem in Live und in Farbe trinken kann.“ Derweil ist die Stiftung dabei viele der Formate in online Webinare und Workshops zu verwandeln: „Es macht großen Spaß herauszufinden wie Nähe, Kollaboration und Entwicklung funktionieren können, ohne an einem Ort zu sein.“, freut sich Bernadette.

Die Leitung einer Stiftung ist nicht ohne. Wie schafft man da Zerstreuung? —Bernadette setzt auf einen Mix aus Natur, Kultur und Familie: „Ich renne gern im Wald umher und spiele Schlagzeug. Zurzeit  schaue ich mir außerdem oft und gern die Serie “Better call Saul“ an, sehr zu empfehlen übrigens, und lese ein Buch über Esel. Allerdings würde ich das alles wohl auch ohnehin und nicht nur zu Zerstreuungszwecken tun würde. Ehrlich gesagt, unterscheide ich zwischen Arbeit und Freizeit nicht so sehr. Ich bin glücklich, da ich einfach das Gefühl habe, mit Neustarter etwas Sinnvolles zu tun.”, fasst sie zusammen.

„Als neue Geschäftsführerin der Stiftung konnte ich schließlich mein gebündeltes Know-How im breiten Themenkomplex Altern und Gesellschaft und im Bereich Digitalisierung anwenden sowie unter Nutzung meines mittlerweile sehr umfangreichen Netzwerks etwas Neues aufzubauen. Kurzum: Es entstand die Neustarter-Stiftung mitsamt der Plattform neustarter.com. Diese ist seit Juni 2017 live.“
Bernadette Höller

Zwei Wohnsitze und die Frage nach gutem Management 

Bernadette und ihr Ehemann leben in Berlin und in Zürich. Die Stiftung hat ihren Sitz in Zürich. Wie lässt sich die Distanz gekonnt überbrücken, vor allem hinsichtlich der Führung des Teams? “Zum Glück haben mein Mann und ich beide Jobs, die es erlauben, dass er etwa eine Woche pro Monat von Zürich aus arbeitet und ich umgekehrt auch immer wieder eine Woche von Berlin aus arbeite”, erzählt Bernadette.

Von dem starren Begriff ‚Führung‘ hält sie übrigens wenig, da wir ihn oft mit festen Hierarchien verbinden. Sie bevorzuge das Wort Leadership. Warum eigentlich? Sie erklärt: „Leadership bedeutet da zu sein, Probleme zu den eigenen zu machen, nachfragen, Dinge erledigen, eine andere Person ermutigen, Entscheidungen treffen und wenn diese falsch, waren Verantwortung zu übernehmen und schauen, wie man es wieder hinbiegt, ohne sich oder anderen Vorwürfe zu machen. Und das kann doch jede*r lernen, unabhängig von der Rolle oder dem Titel.”

Bernadette zeigt sich optimistisch und gespannt, denn eines haben die Unternehmen in den letzten Wochen relativ schnell gelernt: Die meisten Meetings lassen sich online abhalten und fast alles lässt sich auch auf Distanz klären und weiterbringen. Leadership und zielführendes Management sind in einem gut organisierten Team demnach nicht zwingend abhängig von physischer Präsenz, wenn dafür alle mit Herz und Kopf bei der Sache sind.

Letzteres gestaltet sich laut Bernadette im Neustarter-Team relativ leicht, da die tägliche Arbeit sehr sinnstiftend ist. — Das operative Team zählt aktuell drei festangestellte Mitarbeitende und einige Freelancer für bestimmte Aufgaben. Eine Zahl also, die es vergleichsweise leicht macht, das Gefühl von Zugehörigkeit und auch Transparenz in allen Angelegenheiten herzustellen und unnötige Entscheidungswege und Meetings zu minimieren.

Wie alt ist der durchschnittliche Neustarter” eigentlich?

Die Neustarter-Stiftung arbeitet sowohl mit Unternehmen und Institutionen zusammen, als auch mit Privatpersonen. Da Personen Mitte 40 ebenso zum Klientel der Stiftung gehören, wie Neustartende 70+, lohnt viel mehr der Blick auf die unterschiedlichen Motivationen, nicht auf das Alter. „Hier können wir ganz klar unterscheiden zwischen denjenigen, die sich verändern oder kreativ sein müssen, weil sie andernfalls beruflich nicht weiterkommen würden oder gar die Arbeitslosigkeit droht und denjenigen, bei denen das gesicherte Einkommen eher nicht (mehr) im Vordergrund steht und die einfach gute Ideen oder Lust haben, etwas Neues zu starten oder z. B. auch eine Selbständigkeit im Pensionsalter ausüben möchten. Dann gibt es noch die Menschen, die schon ihr ganzes Leben lang immer wieder neu gestartet sind, und gar nicht daran denken irgendwann damit aufzuhören.”, führt Bernadette treffend aus.

Alt hergebrachte Karriereverläufe und „Skillsets“ werden in den nächsten Jahrzehnten bröckeln, da ist sich Bernadette sicher. “Statisches Wissen, Fleiß, Sorgfalt, das sind alles Dinge, die einen 1A Roboter beschreiben. Womit wir uns aber mit Blick auf Mitarbeitende eingehender beschäftigen sollten, sind gute Kommunikationsfähigkeiten, Netzwerkarbeit, kritisches Denken und vor allem Kreativität.”, schließt Bernadette ab.

Wer neugierig geworden ist und tiefer in die Erfolgsgeschichten von Neustarterinnen und Neustartern eintauchen möchte, der findet sie hier, auf den Seiten der Neustarter-Stiftung. Ganz besonders wollen wir aber die Geschichte der ehemaligen Modedesignerin Susann Till in unserem LEBENLANG Wohlfühl-Abo ans Herz legen, die mittlerweile eine erfolgreiche Chutney-Manufaktur betreibt und sich vielerorts ehrenamtlich engagiert.

 

*aktuelle Partnerschaften der Neustarter-Stiftung: Zürcher Kantonalbank, Helvetia Versicherung, Mobiliar Versicherung