Der Reiz der Sternzeichen

Wer die Astrologie befragt, sucht entweder Selbsterkenntnis oder möchte einen Blick in die Zukunft erhaschen – vielleicht auch, um die eigenen Hoffnungen im Sternzeichen bestätigt zu sehen. Wie nützlich ein „Blick ins Übersinnliche“ ist, hängt stark von der eigenen Haltung ab.

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Photo by Alexander Andrews on Unsplash

Ich bin pflichtbewusst, lernbegierig und verlässlich – mein Element: Die Erde – das macht mich vor allem zu einem bodenständigen Menschen. So steht es zumindest in den Sternen. Wer wie ich als Sternzeichen Jungfrau (virgo) ist, der kann sich auf unzähligen Seiten im Internet seine Sternzeichen-typischen Eigenschaften aufzählen lassen. Aber das gilt natürlich ebenso für alle anderen Sternzeichen. 

Die Astrologie, vom griechischen „astron“ und „logos“, bedeutet wörtlich übersetzt „Sternenlehre“. Sie geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Bewegung bestimmter Himmelskörper und Ereignissen auf der Erde gibt. Astrologie gehört beispielsweise in China ganz offen zum Alltag. In der chinesischen Philosophie verheißt ein Leben im Einklang mit dem Kosmos Glück und Erfolg. Chinesen lassen sich noch heute von Astrologen den günstigsten Termin für eine Reise, den Start in den Beruf oder eine Heirat berechnen. In der westlichen Welt wird Astrologie meist als Hokuspokus oder Aberglaube abgetan.

Illustration_Horoskop_CarenPauli

Warum erkennen sich so viele Menschen in Horoskopen wieder?

Interessanterweise – so meine ich zumindest – treffen viele der beschriebenen Stärken, Schwächen und Verhaltensweisen aus meinem Horoskop tatsächlich auf mich zu. Macht es mich abergläubisch, nur weil ich gerne nachts in die Sterne schaue, zu Neujahr mein Jahreshoroskop lese oder mit Freunden das Planetarium besuche? Wie kann es sein, dass willkürlich zusammengestellte Sterne meinen Charakter – oder sogar meine Zukunft beeinflussen sollen? 

Der Glaube an die Astrologie hält sich seit Jahrtausenden. Jeder kennt sein Sternzeichen, das seiner Freundin, des Partners/ der Partnerin oder der Schwester. Einige lassen darüber hinaus auch noch ihren Aszendenten bestimmen. Horoskope gehören zu den meistgelesenen Rubriken vieler Zeitschriften, aber das kommt nicht von ungefähr. Warum erkennen sich so viele Menschen in Horoskopen wieder?

Astrologie gibt Menschen eine Scheinsicherheit

Horoskope sind oft so formuliert, dass jeder etwas bei sich selber wiedererkennt. Je mehrdeutiger und allgemeiner Aussagen sind, desto eher werden sie als Beschreibung unserer Persönlichkeit akzeptiert. Man könnte meinen, dass es Menschen in Zeiten einer von Technik und Wissenschaft geprägten Welt, in der Computer-Programme Kaufverhalten vorausberechnen und lernen, Gefühle zu verstehen, dennoch an etwas zu fehlen scheint. Mit der Deutung von Horoskopen oder Sternzeichen möchte man versuchen Einfluss zu nehmen, sagt die Volkskundlerin Eva Kreissl gegenüber der Frankfurter Rundschau.

„Man fühlt sich gegenüber dieser Welt nicht mehr so ohnmächtig, weil man meint, in das eigene Schicksal eingreifen, etwas gegen den Zufall tun zu können.“ Je ungewisser das drum herum oder eine Situation ist, desto mehr scheint der Wunsch da zu sein, vorherzusehen, was kommt; der Wunsch, die Zukunft zu kennen. Das ist zugegebenermaßen reizvoll, allerdings sollte man die Prophezeiung nicht ernster nehmen, als den Spruch in einem Glückskeks, wie ich finde. Einigen Menschen scheint die Astrologie eine Art von Sicherheit zu geben, dennoch sollte nicht vergessen werden, dass man in einem Horoskop vieles auf sich beziehen kann, was man passend findet.

Liebes-, Jahres oder Monatshoroskope können zum Nachdenken oder Reflektieren anregen und am Silvesterabend für einen Lacher sorgen. Dennoch ist Leben das was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen – wie John Lennon bereits 1980 auf seiner Platte „Double Fantasy“ sang. Das Leben findet sicherlich nicht zwischen den Zeilen eines Horoskopes statt. Aber ein Blick in den Sternenhimmel hat noch niemandem geschadet.