Diabetes und Selbstmanagement

In Ihrem Ratgeber „Ich helfe mir selbst – Diabetes“ gibt uns die Ernährungswissenschaftlerin Frau Dr. Andrea Flemmer wichtige Tipps für eine ausgewogene Ernährungsweise, sowie Empfehlungen zur geeigneten sportlichen Betätigung, die sich in den Alltag von Diabetikern integrieren lässt. Die Autorin gibt Aufschluss über aktuelle Ernährungstrends, wichtige Fakten zum Thema Zucker sowie verschiedene Möglichkeiten der konventionellen und alternativen Medizin.

Interview mit Frau Dr. Andrea Flemmer

Die Zahl der an der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankten nimmt auch in Deutschland immer mehr zu. Die Ursachen für die Erkrankung sind neben genetischen Veranlagungen eine ungesunde Lebensweise und mangelnde Bewegung. Was können Betroffene bei einer Diabeteserkrankung unternehmen und welche Aspekte spielen bei der Ernährung für Diabetiker eine Rolle? Für diese und weitere Fragen, stand uns Frau Dr. Andrea Flemmer im folgenden Interview zur Verfügung.

Selbstmanagement bei Diabetes: Wie können Betroffene sich selbst helfen und aktiv werden?

Ich schlage hier folgende Vorgehensweise vor:

Der Einstiegsteil des Buches liefert wertvolle Daten zur Krankheit. Dann ist es als erstes sehr wichtig festzustellen, ob man Diabetes hat oder auch nur eine Vorstufe, also Prädiabetes. Hat ein Arzt die Erkrankung festgestellt, wird sie oder er sicher empfehlen, an einer Diabetesschulung teilzunehmen. Dies ist zur Selbsthilfe wichtig.

Wurde Diabetes oder Prädiabetes festgestellt, hängt es von verschiedenen Gegebenheiten ab, wie man weiter fortfahren sollten:

2a) Bringt man zu viele Kilos auf die Waage, so ist es jetzt besonders wichtig, dass man abnimmt. Dabei helfen die Tipps aus: „Zuviel ist leicht was“

2 b) Bewegung: Am besten ist es sich täglich zu bewegen. 30 Minuten täglich werden mindestens angeraten. Hat man sich bislang zu wenig bewegt, sollte man vom Arzt feststellen lassen, welche Belastung gut ist und wie und ob man sich steigern kann. Anschließend helfen die Tipps aus dem Kapitel „Bewegung ist das Zaubermittel“

  1. Wichtig ist es generell die Ernährung an den Diabetesstand anzupassen. Dabei helfen die Kapitel unter „Zucker und Diabetes“ „Die richtige Ernährung für Diabetiker“
  2. Sind Ihre Diabeteswerte damit allein nicht in Griff zu bekommen, helfen Heilpflanzen wie zum Beispiel die Hintonia-Rinde, siehe: „Heilpflanzen bei Diabetes einsetzen“.
  3. Sind bereits Folgeschäden aufgetreten, so helfen die Tipps unter „Folgeerkrankungen von Diabetes“.

Was können Patienten in Sachen Diabetes und Dokumentation tun? Wie behalte ich als Diabetiker den Überblick über Therapie und Ernährung?

Das lernt man am besten in einer Diabetesschulung. Ansonsten ist es immer gut ein Ernährungsprotokoll anzufertigen. Dies ist auch wichtig, wenn man eine Ernährungsberatung aufsuchen will. Derartiges wird auch von verschiedenen Krankenkassen angeboten.

Verändert sich die Diabetes-Therapie im Laufe Alters? Sind Anpassungen nötig? Wenn ja, welche?

Sicherlich wird es schwieriger, je älter man wird. Jedoch ist es doch immer nützlich die Diabetesprobleme in Griff zu bekommen und dafür gibt es eigentlich keine Altersgrenze. Der Vitaminbedarf ändert sich zum Beispiel. Aber hier rate ich vor dem Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln erst einmal von einem Arzt feststellen zu lassen, ob man überhaupt einen Mangel hat. Ansonsten schadet man sich mit diversen Nahrungsergänzungen mehr als man sich nützt.

Wie sieht die optimale Ernährung mit 50, 60 oder 70 Jahren aus? Wie muss die Ernährung im Alter bei Diabetes angepasst werden? Worauf sollte vermehrt geachtet werden?

Die Anpassung an Diabetes hängt davon ab, wie lange man die Erkrankung schon hat. Ansonsten sind die Änderungen entsprechend dem Alter. So benötigt man unterschiedliche Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen. s. Vorhergehende Frage

Welche Rolle spielen BE Tabellen bei der Ernährung noch oder ist das Konzept veraltet?

Die Bezeichnung Broteinheit (BE) wird manchmal noch verwendet. Eine Broteinheit entspricht 12 Gramm Kohlenhydraten ohne eine Aussage darüber zu machen wie gut sie verstoffwechselt werden. International nutzt man in der Regel die KHE: „Kohlenhydrateinheit“.

Dies hat man erfunden, um den Blutzuckerspiegel günstig beeinflussen zu können, denn damit können auch Menschen die Ernährung beeinflussen, die nicht Lebensmittelchemie oder Ökotrophologie studiert haben. Wichtig ist diese Einheit nur für Personen, die Insulin spritzen müssen. Mit Hilfe davon kann man die gegessenen Kohlenhydrate dem Insulinbedarf anpassen. 1 KHE entspricht etwa 10 Gramm Kohlenhydraten.

Beispiele für eine Kohlenhydrateinheit sind:

  • eine halbe Scheibe Mischbrot,
  • ein halbes Brötchen,
  • ein kleiner Apfel,
  • eine halbe Banane,
  • eine kleine Kartoffel oder
  • eine mittelgroße Orange.

Sind Diabetiker ein Leben lang auf Diät? Müssen sie auf bestimmte Dinge verzichten?

Eigentlich schon, das wichtigste ist weg von Zucker und vor allem Fruktose zu kommen. Aber da gibt es hervorragende Ersatzprodukte. Leicht ist es nicht der Fruktose auszuweichen. Selbst zu kochen wäre extrem wichtig.

Wie können sich Familienmitglieder oder pflegende Angehörige in die Therapie des Partners oder des Angehörigen miteinbringen? Zählt Teamarbeit?

Durchaus. Und es schadet niemandem auf Zucker zu verzichten.

Welche Tipps geben Sie Menschen ab Mitte 50 mit Diabetes noch auf den Weg?

Gesund zu leben rentiert sich in jedem Alter: auf die Figur zu achten, viel Obst und Gemüse zu essen und sich zu bewegen. Die Details dazu und die Erleichterungen – gerade im Hinblick auf abnehmen – erhalten Sie in meinem Selbsthilferatgeber. Um abzunehmen empfehle ich erst einmal auf Produkte zu verzichten, die man am leichtesten weglassen kann. Das sind zum Beispiel gezuckerte Getränke.

 

Über die Autorin:

Die promovierte Diplom-Biologin, Ernährungsexpertin und Autorin, Frau Dr. Andrea Flemmer, befasst sich mit unterschiedlichen Themen aus dem Gebiet der Medizin, Ernährung und alternativen Therapien. In zahlreichen Ratgebern gibt sie Betroffenen Tipps und Ratschläge insbesondere bei unheilbaren Krankheiten. Dabei liegt ihr Interesse vor allem auch an natürlichen Behandlungsmethoden, mit geringen Nebenwirkungen.

 

Foto: privat

Kommentare

Kommentar abgeben