Eine Hand wäscht die andere!

Keime und damit einhergehende Infektionsgefahren sind vor allem für Schwerkranke, Kinder und alte Menschen riskant. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen Hygienefachkräfte für Schutzmaßnahmen gegen Viren und Bakterien, doch auch die häusliche Pflege profitiert von konsequenten Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

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Maßnahmen, um die Übertragung von Keimen zu verhindern.

5 Hygiene-Maßnahmen für die häusliche Pflege

Keime und damit einhergehende Infektionsgefahren sind vor allem für Schwerkranke, Kinder und alte Menschen riskant. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen Hygienefachkräfte für Schutzmaßnahmen gegen Viren und Bakterien, doch auch die häusliche Pflege profitiert von konsequenten Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

„Nichts reichen wir einander so freigebig wie unsere Hände – aber leer“, wusste schon der deutsch-österreichische Philosoph Emanuel Wertheimer. Leer sind unsere Hände jedoch selten: Unzählige Keime lauern auf unserer Haut. So weit, so normal. Allerdings sollten wir im Kontakt mit abwehrgeschwächten Personen auf Hygienemaßnahmen achten, um die Erkrankten nicht weiter zu schädigen. Ines Tlusty, Fachkrankenschwester für Hygiene am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, rät daher zu konsequenter Händehygiene, um die Übertragungskette zu unterbrechen. Besonders dann, wenn Sie als pflegender Angehöriger Insulin-Spritzen verabreichen, Patienten bei der Körperpflege unterstützen, selbstverständlich nach dem Toilettengang oder wenn Sie in der Küche mit rohem Fleisch gearbeitet haben.

Maßnahme 1: Richtiges Händewaschen

Zum Händewaschen sollten Sie immer Flüssigseife aus Seifenspendern verwenden, denn auf Stückseife können Erreger potentiell überleben und sich weiterverbreiten. Halten Sie ihre Hände unter fließendes Wasser und seifen Sie diese gründlich ein. Achten Sie darauf, nicht nur die Handinnenflächen zu reinigen, sondern auch die Fingerspitzen, die Nagelfalten, den Hand- und Daumenrücken sowie die Zwischenräume der Finger. Das Einseifen der Hände sollte mindestens 30 Sekunden in Anspruch nehmen, bevor Sie ihre Hände unter fließendem Wasser abspülen. Auch das sorgfältige Abtrocknen gehört zu einer vollständigen Händehygiene. Nutzen Sie dazu im privaten Umfeld personengebundene und auf öffentlichen Toiletten Einmalhandtücher.

Maßnahme 2: Desinfektionsmittel

Händedesinfektionsmittel sind zum Schutz vor Infektionen mit „Multiresistenten Erregern“ (MRE) in der heimischen Umgebung nicht zwingend notwendig, da dort die eigene Keim-Flora herrscht, die durch den übermäßigen Gebrauch von Desinfektionsmitteln angegriffen werden kann. Anders liegt der Fall, wenn ein Familienmitglied an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt ist und nur eine Toilette zur Verfügung steht. Dann kann für die Zeit der Erkrankung die Verwendung eines Desinfektionsmittels Sinn machen, um die Virenverbreitung einzudämmen.

Maßnahme 3: Saubere Kontaktflächen

Bürsten, Waschlappen, Rasierapparate und weitere Hygiene- und Badartikel sollten Sie ausschließlich personengebunden nutzen – nicht erst bei Besiedlung mit einem Keim, sondern auch präventiv. Kontaktflächen in der häuslichen Umgebung und Alltagsgegenstände sind regelmäßig mit klassischen Reinigungsmitteln zu säubern. Kleidung, besonders körpernahe, Bettwäsche und Handtücher sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, vorzugsweise getrennt von der Kleidung anderer Personen. Verzichten Sie als Pflegeperson außerdem auf das Tragen von Schmuck, denn unter Ringen und Armbanduhren sammeln sich Keime.

Maßnahme 4: Durchatmen und bewegen

Menschen die bettlägerig und abwehrgeschwächt sind, atmen oft flacher und begünstigen durch Keimvermehrung beispielsweise eine Lungenentzündung. Um die Atmung anzuregen, empfiehlt sich das Einreiben mit ätherischen Ölen. Auch eine Mobilisation des Körpers ist hilfreich, besonders wenn die Patienten viel liegen. Setzen Sie den Patienten in Abständen aufrecht hin und ziehen Sie die Arme vorsichtig auseinander. Auch leichte Atemübungen sind wirksam: Bitten Sie die zu pflegende Person leicht ein- und auszuatmen oder in einen Ballon zu pusten.

Maßnahme 5: Ansteckungsgefahr minimieren

Angehörige und Besucher, die von einer Erkältung betroffen sind, sollten den Kontakt zu pflegebedürftigen Personen vermeiden, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Wenn das nicht möglich ist, achten Sie auf Schutzmaßnahmen: Niesen Sie bitte in die Ellenbeuge, falls Sie ein Taschentuch benutzen oder in die Hand niesen, waschen Sie sich danach die Hände. Ein Mund-und Nasenschutz ist ebenfalls sinnvoll, um die Keimübertragung durch Tröpfchen zu verhindern. Das gilt auch, wenn sich die zu pflegende Person einen Magen-Darm-Infekt zugezogen hat: Durch Erbrechen oder Durchfall setzen sich Aerosole frei, die von pflegenden Angehörigen eingeatmet werden können. Tragen Sie zusätzlich Einmalhandschuhe und gegebenenfalls Schutzkleidung in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Das gilt für alle hier vorgeschlagenen Maßnahmen: Der behandelnde Arzt kann Ihnen individuell auf die Erkrankung Ihres Angehörigen abgestimmte Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie Netzwerke und Portale für weiterführende Informationen empfehlen.

 

Weiterführende Informationen, Tipps und Hilfestellungen finden Sie unter anderem hier:

 

Autor

Roma Hering ist freie Autorin in Köln und schreibt über Digitales, Kunst & Kultur sowie Gesundheit & Pflege. Für das deutsch-türkische renk. Magazin arbeitet sie außerdem als Leiterin der Kölner Redaktion.

 

Foto: unsplash.de | rawpixel