Neustarterin: Elke Schilling spannt ein Silbernetz

Wer die 0800 4708090 anruft, landet bei dem herzlichen Team von Silbernetz – „Keine Frage zu groß. Kein Problem zu klein. Kein Grund, damit allein zu sein”, lautet das Motto. Wer sich bei den mittlerweile 15 Mitarbeiter*innen am Silbertelefon mit Anliegen oder Sorgen meldet, kann sich in einem sicheren Hafen wähnen. Vor allem Personen höheren Alters, die sich einsam fühlen, rufen dort an. Seit der Covid-19-Pandemie ist die Zahl der Hilfesuchenden auf einem Allzeithoch und die Arbeit von Silbernetz e. V. damit wichtiger denn je. 

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Inspiration traf Tatendrang

Die besten Ideen fallen einem bekanntlich in den Schoß, wenn man es gar nicht erwartet. Im Falle von Elke Schilling, der Initiatorin vom Silbernetz, war es jedenfalls so. Ein britisches Krimi-Buch war es, das sie auf eine Gesprächs-Hotline für ältere Menschen aufmerksam gemacht hat. Genauer noch: Eine Hotline für ältere Menschen, die mit drückender Einsamkeit kämpfen oder sich schlicht regelmäßig jemanden zum Reden wünschen. Die Idee war geboren und Frau Schilling nahm die Spur auf. Zunächst suchte sie den Kontakt zu der Autorin des Krimis, Minette Walters. Die britische Schriftstellerin bestätige Frau Schilling, dass es in Großbritannien durchaus das im Buch erwähnte Telefon-Netzwerk („Silver Line”) gab.

Nach vertiefenden Recherchen in London, zu Beginn des Jahres 2014 war für die deutsche Rentnerin klar: Das Konzept muss adaptiert werden. Der Bedarf nach einem solchen Service bestand auch hierzulande allemal. Gesagt, getan. Nach reichlicher Überlegung und Planung konnte es mit der Hotline losgehen. Unter dem Namen Silbernetz nahm Elke Schilling spendenfinanziert und gefördert durch die Berliner Lotto Stiftung die Projektarbeit auf. Dabei unterstützte sie zu Beginn ein Team von fünf Personen, welches seit dem stetig wächst. 

CC: Gordon Welters

Von 8 bis 22 Uhr ein Ohr für die Sorgen anderer

Von 8 bis 22 Uhr hören sich die Mitarbeiter*innen im Team und manchmal auch Elke Schilling die Ängste, Sorgen und Gedanken der Anrufenden an. Ab Herbst dieses Jahres ist sogar ein 24h-Stunden Service geplant. Frau Schilling berichtet, wie wichtig den Anrufer*innen das Silbernetz geworden ist. Nicht nur Personen, die vor lauter Einsamkeit und sozialer Isolation auf Krankheiten zusteuern, auch Personen die einfach mal wieder reden, sich und andere hören wollen, rufen die Hotline 0800 4 70 80 90 vom Silbernetz an.  

Nebst offenen Ohren treffen die Nutzer*innen der Hotline zusätzlich auf eine Quelle der Informationen. Mit Blick auf den aktuellen Alltag mit COVID-19 und den regelmäßig wechselnden Richtlinien richten sich die Anrufenden zunehmend mit inhaltlichen Fragen zu Schutzmaßnahmen, Gesetzen, Verhaltensregeln und Co. an das Silbertelefon. Nach Möglichkeit werden die Fragen direkt geklärt, ggf. aber leitet das Hotline-Team die Info-Suchenden an die offiziellen Informationsstellen weiter.

Kein Therapieangebot

Vor und vor allem auch während der Pandemie kommen auch ernstere Anrufe herein. Sobald es dabei um die Behandlung physischer oder starker psychischer Probleme geht, empfehlen Frau Schilling und ihr Team an professionell beratende und behandelnde Institutionen weiter. Immerhin: Die Menschen werden aufgefangen, gehört, wahrgenommen und an helfende Hände verwiesen.

Wer sich regelmäßig den gleichen Gesprächspartner bzw. die gleiche Gesprächspartnerin wünscht, kann bei Silbernetz sogenannte Silbernetz-Freundschaften erfragen. Diese wertvollen Verbindungen bestehen mitunter über mehrere Jahre. Sie bereichern und entlasten sowohl die Anrufenden, als auch deren Angehörigenkreis. Denn mitunter möchten die Anrufer*innen ihr näheres Umfeld nur ungern wiederholt mit bestimmten Themen belasten. Silbernetz fängt hier den Gesprächsbedarf auf und pflegt damit auch indirekt die bestehenden Beziehungen der Anrufenden in ihrer Lebenswelt. 

Schon immer im Einsatz für den Menschen

Elke Schilling ist Mutter zweier Töchter, mehrerer Enkel*innen und steckt voller Energie. Diese floss ein Leben lang in die Familie und in ihre vielseitige Karriere. So kann die gebürtige Leipzigerin auf eine Stelle als Staatssekretärin für Frauenpolitik zurückblicken, auf Jobs in Statistik und Datenverarbeitung sowie auf ihre Tätigkeit als selbständige Beraterin in Verwaltungen und Wohlfahrtsorganisationen. All diese Tätigkeiten haben Frau Schilling wohl ideal für ihren aktuellen Silbernetz-Einsatz gewappnet. Vor allem ihre damalige Arbeit bei der Telefonseelsorge scheint diesbezüglich sehr hilfreich zu sein.

Silbertelefon einfach mal reden

Bei aller Professionalität lässt die aktuelle Arbeit für die Hotline Frau Schilling nicht kalt. Mit viel Einfühlungsvermögen geht sie täglich auf die Anrufer*innen ein. Manchmal nimmt sie die Arbeit auch mit nach Hause: „Mitunter kommt es schon vor, dass ich nachts wach liege und Probleme wälze. Meine oder die der anderen. Das liegt nahe, da ich mich tagsüber ja sehr intensiv mit verschiedensten Herausforderungen beschäftige.”

Die Arbeit für Silbernetz empfindet sie als sehr erfüllend. Und eigentlich kann es von dieser Arbeit gar nicht genug geben. Es sind vor allem die Nächte, in denen ihr bewusst wird, wie wichtig eine Hotline ist, die auch in den dunklen Nachtstunden erreichbar ist. Sie selbst lebt allein und kann sich gut ausmalen, wie sich Menschen fühlen, die aus verschiedensten Gründen an ihre  Häuslichkeit gebunden sind und daher weder nachts noch tagsüber ausreichend sozialen Austausch genießen können.

Daher drückt das Team von LEBENLANG die Daumen, dass die Strukturen für die Jahrespläne des Vereins aufgehen, mehr Mitarbeiter*innen eingestellt werden können und ein 24h-Service damit möglich wird. Interessierte finden auf Silbernetz.org Informationen über den Verein, über Möglichkeiten des Newsletter-Abos sowie Wege, den Verein finanziell zu unterstützen.

Silbernetz ist ein Projekt in Trägerschaft des Silbernetz e. V. in Zusammenarbeit mit dem Humanistischen Verband Deutschland Berlin-Brandenburg KdöR.

 

Eine andere Neustarterin findet ihr hier.