Neustarterin Susann Till: Ein Leben unter Volldampf

In unserer Abo-Reihe „Neustarter“ werden wir künftig jeden Monat Menschen vorstellen, die im Alter einen Neustart gewagt haben. Den Auftakt macht die ehemalige Modedesignerin Susann Till, die mit Mitte Siebzig noch quietschvergnügt ihre Chutneys verkauft. Eine inspirierende Geschichte voller Aromen und Experimentierfreude.

___STEADY_PAYWALL___

Audio-Version dieses Artikels:

Um auf die Gesundheit ihres Sohnes Rücksicht zu nehmen, gewöhnte sich Susann Till schon früh an, leberfreundlich zu kochen, also mit minimalen Zuckermengen.

In der Schweiz, unweit vom malerischen Zürichsee, liegt die Neustarter Stiftung. Von hier aus mischen Bernadette Höller und ihr Team die klassische Arbeitswelt gehörig auf. Unabhängig und gemeinnützig setzen sie sich täglich mit Generationsfragen, mit der Förderung des Generationen-Austauschs und vor allem für ein gutes Arbeitsumfeld für alle Altersklassen ein. Seit der Neukonzeptionierung der 1999 gegründeten Tertianum-Stiftung und deren Umbenennung in die Neustarter-Stiftung ist Neustarter.com zum Dreh- und Ankerpunkt für jene geworden, die es in der Lebensmitte oder im fortgeschrittenen Alter nach beruflicher Veränderung und Entfaltung dürstet. Susann Till ist eine von ihnen. Für die ehemalige Modedesignerin begann mit Ende Sechzig unverhofft ein neues berufliches Abenteuer.

 

Arbeit als Lebenselixier

Susann Till ist eine Institution. Mit Mitte Siebzig blickt sie auf bewegte Zeiten ihres Lebens zurück. Auf eine Karriere als Modedesignerin und auf das Großziehen ihrer zwei Söhne, mit denen sie im Leben durch dick und dünn ging und geht. Sie blickt auf Zeiten zurück, die von schweren Krankheiten geprägt waren und auf Zeiten, die ihr so viel Freude bereiteten, dass sie bis zum heutigen Tage mit ungebremster Energie durch’s Leben geht. Ihre Devise für Schicksalsschläge: “Arbeit ist mein Lebenselixier. Nicht auf’s Loch konzentrieren, sondern auf’s Tun.” Und genau das tat sie auch, als sie mit 69 Jahren nach Ende ihrer ersten Karriere und nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause kam. Buchstäblich unter Volldampf ging es für Frau Till seitdem weiter geradeaus, bzw. hoch hinaus.

Um die 1.000 Gläser Chutney fertigt Susann Till mit Hilfe ihrer drei Teilzeitkräfte in einer Woche an.

Glück wird aus Chutney gemacht

Glück wird aus Chutney gemacht, so scheint es. Denn Chutneys haben es Susann Till angetan und Chutneys haben ihr den Weg in die Hochglanzmagazine und Fernsehshows dieses Landes geebnet. Ihre würzigen Saucen sind weniger süß, als jene, die es üblicherweise zu kaufen gibt. Sie sind ausgefallen, originell und mit Liebe zum aromatischen Detail zubereitet. Um die 1.000 Gläser fertigt sie mit Hilfe ihrer drei Teilzeitkräfte in einer Woche an.

Den medialen und wirtschaftlichen Erfolg stellt sie dabei nie in den Vordergrund. Sie genießt es einfach mit Herz und Seele, beschäftigt zu sein. Dass ihr Großkunden die Tür einrennen und Interview-Anfragen nicht abreißen, rührt sie sehr, war jedoch nie ihre Absicht. All ihre Kreationen entstehen in der hauseigenen (zertifizierten) Küche.

Nachdem sie zu Beginn lediglich für Freunde und Familie kochte, hat mittlerweile jeder die Möglichkeit, die farbenfrohen Chutneys von Susann Till zu erstehen. So zum Beispiel über den Online-Shop auf ihrer Homepage bysusann.de. Ein wahres Familien-Projekt! Der Sohn kümmert sich um die Homepage, die Schwiegertochter sorgt mit preisgekröntem Design für eine würdige Verpackung der kleinen aromatischen Meisterwerke – und Susann selbst?  Die kreiert eine Geschmacksbombe nach der anderen. Ohne Zusatzstoffe und mit farblich fein abgestimmten Zutaten. “Da freut sich die Verdauung. Grün und grün, Rot und rot etc. vertragen sich im Magen. Man kennt das ja von Smoothies.”

Ohne Zucker zu kochen, das ist für Susann Till schon lange wichtig. Nach einer fehlerhaften Bluttransfusion bei ihrem Sohn hieß es von Kindesbeinen an: Leberfreundlich kochen. Dazu zählt auch der möglichst minimale Zusatz von Zucker. „Bei allen Rückschlägen, die ich oder meine Familie im Leben hatte, stellte ich mir dir Frage: Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verbessern? Gesund zu kochen gehört definitiv dazu und so sind auch meine Chutneys frei von allem Übel. Gesüßt wird nicht mit Zucker, sondern zum Beispiel mit süßen Früchten wie Bananen“, erzählt Frau Till.

Hast du schon einmal Algen-Chutney probiert?

Hast du schon einmal Algen-Chutney oder Spargel-Chutney probiert? Die außergewöhnlichen Zubereitungen kommen gut an. Wer kein Chutney mag, dem sagt vielleicht Susann Tills Grillsauce zu. Diese und viele weitere spannende Zubereitungen findest du in ihrem liebevoll gestalteten Online-Shop.

Wenn Frau Till nicht gerade über dampfenden Töpfen steht, packt sie Pakete, bereitet den Versand vor, erzählt ihren Enkeln Geschichten, genießt Spaziergänge durch den Park oder arbeitet mit Kindern aus aller Welt an einem internationalen Kochbuch. Auf die Veröffentlichung dieses Herzensprojekts müssen wir noch warten, aber bis dahin blättert es sich auch gut in ihrem Werk “Chutneys – Kochen mit kleinen Aromawundern”.