Statt in die Seniorenresidenz ab in die WG

Denkt man an das Leben im Alter, fällt vielen sofort die Seniorenresidenz ein. Eine Wohnform, die viele ablehnen, die aber dennoch oft unvermeidlich scheint. Dabei gibt es Alternativen, wie die Senioren-WG. Die ist nicht für jeden geeignet und doch macht es Sinn, sich frühzeitig Gedanken zu machen

Alternativen zur Seniorenresidenz

Als Heiner Lauterbach vor drei Jahren mit alten Studienfreunden eine WG aufgemacht hat, war das eine Einladung zum Schmunzeln – über Studentenklischees und über das Älterwerden. Was im Film „Wir sind die Neuen“ für volle Kinosäle sorgte, ist tatsächlich ein Thema, dass immer mehr an Relevanz gewinnt. Die Senioren-WG ist für viele eine denkbare Alternative zur Single-Wohnung oder gar dem Seniorenheim, auch ohne Kino-Klischees.

Damit das Zusammenleben im Alter funktioniert, braucht es Verabredungen untereinander, weiß Josef Bura, Vorsitzender des Forums Gemeinschaftlichen Wohnens. Dabei kommt es darauf an, aus welchen Gründen man sich für eine WG entscheidet. Weil es „lustig und billiger“ ist, wie im Kinofilm, weil man der Einsamkeit entfliehen möchte, oder weil man eine Pflegebedürftigkeit alleine nicht mehr in den Griff bekommt. So kann eine Senioren-WG das Sozialleben der Bewohner deutlich nach vorne bringen, wenn die Bewohner ihrem Alltag mit Gleichgesinnten verbringen. Die Mitbewohner können sich unterstützen, Einkäufe erledigen, füreinander da sein.

Der Kinofilm liefert hier natürlich Klischees, die sich bei Popcorn und Nachos eingängig verkaufen. Der umgedrehte Generationenkonflikt, wenn etwa die wilde Senioren-WG den jungen Spießernachbarn zu laut wird. Trotzdem kratzt auch das Drehbuch an ernsten, realen Themen, wie einer Krankheit, die Lauterbachs Figur seinen Mitbewohnern verheimlicht. Sicher sind hier in der Realität Grenzen gesetzt, bei deren Überschreitung professionelle Hilfe nötig sein wird.

Die richtige Unterstützung 

Daher gibt es auch Senioren-WG-Modelle, die von Pflegediensten unterstützt werden, wenn die Bewohner selbst nicht mehr alles im Haushalt alleine leisten können. Profitieren gleich mehrere WG-Mitbewohner, kann man sich die Kosten teilen. Einfache Arbeiten, wie Einkäufe oder alltägliche Bedürfnisse, können bis zu einem gewissen Punkt von Mitbewohnern aufgefangen werden, solange die sich das zu trauen. Hier sollten aber klare Absprachen getroffen werden. Wichtig ist dabei vor allem die Fairness, damit es nicht bei einseitigen „Leistungen“ bleibt.

Doch ist das Finden der richtigen Wohnform nicht die einzige Hürde. Menschlich sollte es auch passen, da man mit seinen neuen Mitbewohnern im Idealfall viele Jahre verbringt. „Es ist nicht wie bei den Studenten“, sagt Bura. Die zögen nach ein paar Semestern weiter und könnten sich für diesen begrenzten Zeitraum auch mal zurücknehmen. „Im Alter sucht man im Idealfall Wohnpartner auf viele Jahre. Da ist es auch wichtig, frühzeitig abzusprechen, wie man sich im Ernstfall, beispielsweise bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit eines WG-Mitglieds, verhält.“ Ein Geben und Nehmen.

So weiß man zum einen, was die anderen von einem erwarten, zum anderen macht man sich so selbst richtig bewusst, was man für unverzichtbar hält und wo man Kompromisse eingehen würde.

Privatsphäre ist wichtig

Das kann schon mit der Aufgabe der eigenen Privatsphäre anfangen. Wen das klassische WG-Modell mit eigenem Zimmer doch zu sehr an die Studentenzeit erinnert, der kann auch auf das Modell der Wohn-Hausgemeinschaft setzen. Dabei hat jeder Bewohner seine eigene Wohnung, in Gemeinschaftsräumen spielt sich aber das soziale Leben mit den Nachbarn ab.

Nur wegziehen sollte man eher nicht, mahnt Josef Bura. „Die WG darf auch kein Familienersatz sein. Das alte soziale Umfeld ist sehr wichtig. Dazu gehört auch die hilfsbereite Nachbarin von früher.“ Wenn man vielleicht sogar selbst in einer Studenten-WG gelebt hat, kann man gut abschätzen, wie viel Privatsphäre einem wichtig ist und welches Modell des gemeinschaftlichen Wohnens einen anspricht. In einem Punkt ist sich Josef Bura aber sicher: „Beide Modelle bieten Perspektiven. Die Regel ist nach wie vor aber leider das Heim. Das müssen wir ändern und die Bedürfnisse der Menschen ernster nehmen.“

Die WG im Alter: Ein mögliches Modell also für viele, die unkonventioneller älter werden wollen. Nicht nur für Heiner Lauterbach.

In Unserem Beitrag „So will ich später wohnen“ erzählen im Interview Mutter und Tochter, wie sich das Leben und Wohnen im Alter so vorstellen, und was für sie so gar nicht infrage kommt.

 

Text: Martin Pieck

Foto: Oneinchpunch | iStock

Kommentare

Kommentar abgeben