Experten-Interview: Warum uns knallige Farben gut tun

Was passiert, wenn man bequeme und modische Schuhe mit knalliger Farbe ziert? Richtig – kombiniert mit einem schönen Outfit wecken Farbhighlights unsere selbstbewusste Seite und wir fühlen uns richtig wohl in unserer Haut (und in unseren Schuhen). Eine Farb-Expertin erklärt, warum die knalligen Trendfarben nicht nur in diesem Sommer ein absolutes Must-have sind.

Was passiert, wenn man bequeme und modische Schuhe mit knalliger Farbe ziert? Richtig – kombiniert mit einem schönen Outfit wecken Farbhighlights unsere selbstbewusste Seite und wir fühlen uns richtig wohl in unserer Haut (und in unseren Schuhen). Eine Farb-Expertin erklärt, warum die knalligen Trendfarben nicht nur in diesem Sommer ein absolutes Must-have sind.

Die spektrale Verteilung von Lichtstrahlen, eine reine Sinnesempfindung oder doch das Zusammenspiel von Licht und Finsternis, wie Goethe sie seinerzeit nannte? Was auch immer Farben wirklich sind, ihr Zauber auf uns hat einzig und allein mit unserer Wahrnehmung zu tun. Farben helfen uns, uns auszudrücken und haben großen Einfluss auf unsere Stimmung, wie Expertin Bettyna Pöltl erklärt. Sie ist Expertin in Sachen Farben und leitet das Image Institut Berlin. Dort bietet die Fachfrau seit über zwanzig Jahren professionelle Beratung rund um Image, Stil und Ausstrahlung an.

Ihr Credo: Farben sind unsere optische Visitenkarte. Mit ihnen senden wir unserem Gegenüber Signale aus, ob wir wollen oder nicht. Farben sind nämlich Bedeutungsträger. Dabei kann ihre Rolle sowohl zeitgeschichtlich als auch kulturell sehr unterschiedlich sein. So steht Weiß im westlichen Kulturkreis für Unschuld und Reinheit, ist in China hingegen als Trauerfarbe bekannt. Und Braun wurde im Mittelalter mit Armut assoziiert, ist heute jedoch in Kombination mit gesättigten Farben wieder in Mode. Ebenso wie knallige Farbhighlights, die das ganze Outfit auffrischen und vor allem an unseren Füßen super zur Geltung kommen.

Farbexpertin Bettyna Pöltl im Interview. Foto: Stefan Anker

LEBENLANG: Frau Pöltl, knallige Farben klingen aufregend. Aber im Volksmund „beißen“ sich manche Farben ja auch. Wie kann man das im eigenen Kleidungsstil vermeiden und trotzdem auffällige Farben tragen?

Pöltl: Die Frage ist, welche Farben sich wirklich beißen. Das kann sich im Laufe der Zeit ändern – wie es das beispielsweise bei mir getan hat. Früher hätte ich nie Rot und Pink kombiniert. Heute würde ich aber sagen, es kommt auf die Nuancen an. Je nach Blauanteil kann ein Rot kühler oder wärmer wirken und je nachdem zu einem passenden Pink getragen werden. In Sachen Farbe sind wir heute viel mutiger geworden und haben uns so manche Freiheit zurückerobert! Dennoch ist in meinen Augen nicht alles kombinierbar und man sollte genau schauen, welche Farben an welcher Trägerin machbar sind.

Zusammen mit LaShoe präsentieren wir in unserem Farb-Special die drei Klassiker Gelb, Blau und Pink. Wofür stehen diese drei knalligen Farben?

Pöltl: „Beginnen wir mit Gelb. Ich trage heute zum Beispiel auch gelb, und das obwohl ich blond bin. Es gibt nämlich so viele Nuancierungen, dass für jeden Typen das passende Gelb dabei ist. Die Skala reicht von Senfgelb (das ist gut für die warmen Typen) bis hin zu Zitronen- oder Blassgelb für die kühleren Farbtypen. Und grundsätzlich gilt: Gelb wirkt anregend und steht für gute Laune, Heiterkeit und Optimismus.

Blau ist eine starke Farbe. Sie steht für Harmonie und strahlt immer eine besondere Kompetenz aus. Besonders schön finde ich, wenn Schwarz durch ein dunkles Blau ersetzt wird, das schafft weniger Distanz. Ein kleiner Trick, den ich besonders gerne empfehle, wenn jemand nicht so gut Schwarz tragen kann. Blau lässt sich außerdem immer toll kombinieren.

Und Pink? Pink ist ein Hingucker! Ein kräftiges Pink steht für Faszination und Charme. Es ist eine sehr feminine Farbe und kann elegant wirken. Allerdings empfehle ich sie nicht fürs Business. Für einen Vortrag beispielsweise strahlt sie nicht ausreichend Kompetenz aus. Mit Pink muss man schon aufpassen, dass man nicht zum reinsten Paradiesvogel wird – aber das hängt natürlich auch vom Anlass ab.“

Und was halten Sie von knallbunten Schuhen?

Pöltl: „Finde ich total super! Ich freue mich so sehr über diese Mode mit den bunten Schuhen. Nehmen wir mal ein elegantes schwarzes Kleid, ein Allrounder-Teil, das man immer wieder tragen kann. Die Trägerin des Kleides möchte aber heute nicht nur seriös oder schlank wirken, sondern das Outfit mit einem Farbtupfer auffrischen. Wieso nicht mit pinken Schuhen!? Und schon sieht sie wieder ganz anders aus; interessanter, frischer, modischer. Ich muss sagen, ich liebe die ‚Pinke-Schuhe-Idee‘.“ (lacht)

Gibt es einen sicheren Weg, um zu entscheiden, was mir steht? Sowohl beim Kauf als auch morgens beim Anziehen? Haben Sie einen Tipp, wie man die schlimmsten Faux-Pas vermeiden kann?

Pöltl: „Ich möchte unbedingt betonen: Mode muss Spaß machen. Mode drückt jeden Tag unsere Stimmung aus, deshalb können wir damit ganz viel machen. Sowohl beim Kauf als auch beim täglichen Ankleiden sollte man sich im Spiegel automatisch selbst anlächeln; dann ist es das richtige Outift! Solche Teile sind in der Lage, die eigene Stimmung zu verbessern. Denken Sie beim Kauf von Klamotten daher nicht: Wenn ich brauner bin, dann … wenn ich das beim Schneider noch abändern lasse, dann … Wenn ich nur noch ein bisschen abnehme, dann…! Wenn solche „wenn – dann“ Gedanken kommen, dann steht schon fest, dass Sie das Teil nicht tragen werden. Es wird nach spätestens ein, zwei Jahren aussortiert.“

„Wir sind nicht alle Paradiesvögel; das sind die wenigsten. Aber wir können uns auch in kleinen Dingen an knallige Farben wagen.“
Bettyna Pöltl

Man hört schon heraus, wieviel Erfahrung Sie auf diesem Gebiet haben; Sie machen Ihre Stil- und Farbberatung seit über zwanzig Jahren. Wie läuft so eine Beratung bei Ihnen ab und was erwartet die Kund*innen am Ende?

Pöltl: „Die Typberatung läuft in drei großen Schritten ab. Wir beginnen mit einem intensiven Farbtest, bei dem ich vor einem großen Spiegel und sehr gutem Licht anhand verschiedenfarbiger Tücher mit der Kundin ihren Farbtyp, der vom Haut-Basiston abhängt, bestimme. Am Ende steht ein Farbpass, den die Kundin für zukünftige Einkäufe mitnehmen kann.

Im zweiten Schritt bestimmen wir den Stiltyp, es gibt da beispielsweise eher den romantischen oder den klassischen Typ, genauso wie sportlich-elegant oder auch ein wenig extravagant. Wir schauen uns auch den Figurtyp an und was dazu passen kann, da geht es zum Beispiel um die Länge von Oberteilen, Hosenform, Ausschnittform, Hüte, Brille, Frisur – ganz viele Dinge spielen da eine Rolle.

Und der dritte Schritt ist dann auf Wunsch eine Make-Up-Beratung. Ganz wichtig: Es geht nicht um die perfekte Figur; niemand von uns muss einem bestimmten Ideal entsprechen, um ein schönes Auftreten zu haben. Jeder hat seine eigenen Vorzüge, und ich helfe nur dabei, die Aufmerksamkeit auf die Schokoladenseite zu lenken. Übrigens kommen die verschiedensten Leute in meine Imageberatung; beruflich oder privat, Männer wie Frauen. Kleider machen Leute – das hat sich bis heute nicht geändert.“

Frau Pöltl, zuletzt würden wir gerne noch wissen: Sorgt das Ergebnis Ihrer Beratung oft für Überraschungen?

Pöltl: „Ja, denn wir finden zusammen ihren individuellen Stil und die geeigneten Farben heraus, die ihr sofort schmeicheln. Wir schauen: Was ist schon da, und mit wie wenig Aufwand kann ich meine Garderobe gelungen ergänzen, um meinem ganz individuellen Typ zu schmeicheln. Die meisten kommen ja, weil sie ihrem Aussehen etwas mehr Schwung verleihen wollen. Viele erleben dabei, dass sie in manchen Lieblingsfarben bestätigt werden.

Aber ich möchte eben noch einen Schritt weiter gehen, und Mut zu mehr Farbe machen! Es gibt noch so viel mehr. Ich muss mich nicht auf die wenigen Farben verlassen, die mir von Kindheit an ans Herz gelegt wurden. Wer sich an neue Farben traut, wird mit der Zeit bestätigt werden und das wirkt sich auch auf das Selbstbewusstsein aus. Sie werden in ganz neuem Licht erscheinen und unbewusst ausstrahlen: Ihr wisst ja nicht, was noch alles in mir steckt! Und diesen Esprit wiederum strahlen wir auch auf andere aus, was uns erneut bestärkt. Ich möchte besonders Frauen zeigen, wie lohnend der Mut zur Farbe und zum authentischen Stil sein kann. Das habe ich auch in meinem Leben immer wieder erlebt.“

LEBENLANG: Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview.