Wie fühlen sich 80-Jährige?

Dieser Frage gehen Wissenschaftler schon länger nach. Der Grund hierfür ist, dass Pflegekräfte, Studenten und Mediziner sich genauer in die Generation über 80 hineinfühlen sollen. So lassen sich auch spezielle Maßnahmen, Therapien und der Umgang verbessern. Das Verständnis schärfen und das Bewusstsein erhalten, was genau ein 80-jähriger Körper empfindet, gelingt über einen sogenannten Altersanzug. Dieser bietet alle Einschränkungen, mit denen ältere Menschen leben müssen und häufig auch zu kämpfen haben. Hier wird schnell klar, wie beschwerlich der Alltag sein kann. Kaum jemand wird sich darüber Gedanken machen, wie einfache Dinge im Alter zu bewerkstelligen sind. Treppensteigen, Anziehen oder das Geld aus dem Portemonnaie zählen, können aber tatsächlich zu schweren Aufgaben werden. Die Hände zittern, die Augen sind schlecht geworden und die Muskeln wollen nicht immer das tun, was gerade von ihnen gefordert wird. Um hier Geduld aufzubringen, müssen jüngere Menschen wissen, wie sich genau dieses Alter anfühlt.

Mit Altersbeschwerden durch den Hindernisparcours

Bei Messen und Schulungen können Interessierte und Teilnehmer den Anzug selbst testen. Damit dies auch wirklich authentisch ist, wird dann ein entsprechender Parcours aufgebaut, der mit speziellen Hindernissen und Aufgaben versehen ist. Schnell wird den teilnehmenden Personen klar, dass diese Selbsterfahrung nachhaltig ist. Bald schon geschieht ein Umdenken und das Verständnis wird erhöht. Die selbst gewonnen Eindrücke sollen vor allem Auszubildenden und Mitarbeiter in Gesundheits- und Pflegeberufen im beruflichen Alltag als Begleitung dienen. Viele haben vor dieser Erfahrung allerdings Respekt, denn generell möchte grundlegend niemand später einmal selbst zum Pflegefall oder pflegebedürftig werden. Durch solche Experimente können allerdings Distanzen abgebaut werden. Der direkte Bezug durch die Erfahrung am eigenen Körper trägt dazu bei, dass auch der Respekt vor dem Alter wieder aufgebaut wird.

Mit diesen Fakten werden Teilnehmer konfrontiert

Der Altersanzug zeigt klar die Einschränkungen des Alters von Personen über 80 Jahren auf. Gewichte sorgen dafür, dass Handlungen erschwert werden. Zudem schränkt er auch die Bewegungsfreiheit entsprechend ein. Weiterhin sehen die Teilnehmer schlechter, denn sie tragen eine spezielle Brille, die die Sicht von älteren Menschen nachahmt. Der Gleichgewichtssinn wird ebenfalls dadurch auf die Probe gestellt. Insgesamt handelt es sich um ein sehr ausgeklügeltes Konzept, das durch den Anzug ein realistisches Spiegelbild dessen zeichnet, was viele Menschen über 80 täglich erfahren. Die Ergebnisse nach der Selbsterfahrung sind überaus beeindruckend. Die Teilnehmer berichten alle unter Emotionen, wie beschwerlich der Alltag tatsächlich sein kann. Sie sind erleichtert, den Anzug wieder ablegen zu können und in ihr altes Ich schlüpfen zu können. Doch genau diese Erfahrungen haben einen nachhaltigen Effekt, der sich positiv auf die künftige Tätigkeit im Gesundheits- und Pflegeberuf auswirken kann. Die künftigen Auszubildenden sowie langjährige Mitarbeiter nehmen diese Erfahrung mit in den Alltag und bringen deutlich mehr Geduld und Verständnis auf. Genau dies ist auch das Ziel des Anzuges und der daraus resultierenden Erkenntnisse.

  • Redaktion: : Lydia Brandes, Nadine Steinmetz, Kati Borngräber
  • Design: Helena Melikov
  • Fotografen: Patricia Haas, David Nassim