Schmeckt’s? Der Geschmackssinn im Alter

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, klar, aber woran liegt es, dass das so ist und dass er sich im Laufe des Lebens doch oft wandelt? Warum mögen wir heute Dinge, die wir gestern noch verschmäht haben? Und was ist das überhaupt, Geschmack?

Evolution und Gewöhnung

Tatsächlich sind grundlegende Affinitäten ebenso wie gewisse Aversionen angeboren. Wir haben evolutionsbedingt eine Vorliebe für Süßes und Salziges, beides ist – wie auch Fett – ein Indikator für eine hohe Energiedichte bzw. einen hohen Mineralstoffgehalt. Bei bitteren Lebensmitteln hingegen meldet unser Gehirn Gefahr. Saures könnte ein Hinweis auf Verdorbenes sein. Erst im Laufe unserer persönlichen Weiterentwicklung lernen wir, diese Geschmacksqualitäten einzuordnen und gezielt bei der Zubereitung von Lebensmitteln und Kreation von Gerichten einzusetzen.

Geschmack ist Erfahrungssache

Bier und Kaffee sind gute Beispiele für diesen Gewöhnungseffekt: Erst mit der Zeit schmecken sie uns in Reinform, die ersten Probeläufe werden noch als Mischgetränk – also Bier mit Limo oder Cola, Kaffee mit reichlich Milch und Zucker – absolviert. Der Ernährungssoziologe Daniel Kofahl vom Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur nennt dies eine „ritualisierte Heranführung an besondere Geschmäcker.“ Erfahrungswerte spielen eine große Rolle, wir stellen uns sukzessive auf den Geschmack ein, mit dem wir häufig konfrontiert sind. Der Grundstein für unser Geschmacksempfinden wird aber bereits viel früher gelegt. Tatsächlich zeigen Studien, dass die Ernährungsgewohnheiten werdender Mütter Einfluss auf die Vorlieben der Kinder haben. Das Abenteuer Geschmack beginnt also bereits im Mutterleib, schon dort wird unser Geschmacksempfinden geprägt.

Geschmacksveränderung im Lauf der Zeit

Wie wir bestimmte Geschmacksrichtungen empfinden und wie sich unser Geschmack im Laufe des Lebens ändert, ist aber auch ein sehr individueller Prozess und an viele Faktoren geknüpft. Erwartungen beeinflussen unsere Perzeption, Emotionen, Erinnerungen, Motivationen spielen mit eine Rolle, wie wir Essen wahrnehmen und beurteilen. Auch kulturelle Effekte sind maßgeblich daran beteiligt. Wirklich allgemeingültige Aussagen lassen sich daher kaum treffen, meint Dr. Gisela Olias vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München. Wie der Geschmack im Alter abnimmt und viele weitere spannende Infos rund um die Geschmacksveränderung lesen Sie in dem Artikel von Food-Journalistin Sophia Schillik.