Bloß kein Kampf um Zucker!

„Darf das Stück Kuchen nach dem Essen sein oder sollte ich es verbieten?“ Für die Pflegerin Elisabeth, die sich schon um einige Diabetiker gekümmert hat, ist die Antwort klar: „Das kommt darauf an!“, sagt die Frau aus Polen und lacht. Nicole Wille, Diabetesberaterin aus Frechen, sieht das ähnlich: „Gerade bei hochbetagten Menschen mit Diabetes sollte die Lebensqualität und nicht der perfekte Blutzuckerwert im Vordergrund stehen.“ Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft stimmt dem zu. Dort heißt es auszugsweise: „Das HbA1c soll im höheren Lebensalter einen geringeren Stellenwert bei Therapie-Entscheidungen haben als in jüngerem Lebensalter.“

Die richtige Ernährung bei Diabetes? Gibt es nicht!

Für Frau Wille ist es wichtig, bei den Beratungen geschmackliche Vorlieben der Patienten abzufragen. Denn: Die Therapie muss sich dem Patienten anpassen und nicht umgekehrt. „Wenn ich weiß, dass zum Beispiel in einer Pflegeeinrichtung das Stück Kuchen am Nachmittag in geselliger Runde zum Alltag gehört, versuche ich es mit einzuplanen.“ Das sei allemal besser, als ein Verbot auszusprechen, was möglicherweise den umgekehrten Effekt habe und zu heimlichen Naschereien oder schlechter Laune führt. Das muss allen klar sein, sagt die Expertin und setzt auf Transparenz: „Um bei Patienten auch Angehörige oder Pflegende abzusichern, integriere ich das Stück Kuchen bewusst in Essenspläne, sodass für alle Beteiligten klar ist, dass das abgesprochen und okay ist.“ In den Plan können dann auch Dinge gehören wie ein Spaziergang nach dem Stück Kuchen, um dem Blutzuckeranstieg wieder etwas entgegenzuwirken.

Individuelle Pflege für Menschen mit Diabetes

„Es kommt bei Diabetes immer auf den Patienten an“, betont Wille. „Denn es gibt nicht ‚den Menschen mit Diabetes‘“. Faktoren wie Typ des Diabetes, die Medikation, Begleiterkrankungen und das Alter spielen eine große Rolle. Das müsse auch den Pflegenden klar sein. Ihnen empfiehlt die Ernährungsberaterin, täglich Zucker zu messen und sorgfältig zu dokumentieren, was vorher gegessen wurde. Denn Diabetes ist eine individuelle Krankheit. „Zahlen sind nur Richtlinien, im Fokus steht der Mensch.“ Weitere Infos zur Pflege von Menschen mit Diabetes sowie Tipps zur Gestaltung des Speiseplans finden Sie in dem Artikel von Marion Sendker.