Experteninterview: Bluthochdruck

Prof. Dr. med. Heribert Schunkert ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Er ist zudem Klinikdirektor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen und stellvertretender ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums München. Dort praktiziert er an der Klinik für Herz und Kreislauferkrankungen. Für einige Fragen zum Thema Bluthochdruck stand uns Prof. Dr. med. Schunkert in einem Interview zur Verfügung.

  • Interview: Babette Braun

Prof. Dr. med. Heribert Schunkert klärt über die wichtigsten Fakten in Sachen Bluthochdruck auf

Gibt es so etwas wie einen „gutartigen“ Bluthochdruck auf das Herz bezogen?

Prof. Dr. med. Heribert Schunkert: „Nein, ein Bluthochdruck hinterlässt auf Dauer immer Schäden am Herzen und an den Gefäßen. Je höher der Blutdruck ist, desto eher stellen sich die Verschleißerscheinungen ein. Das geringste Risiko hat der Mensch, wenn der Blutdruck Zeit seines Lebens normal ist.“

Kann man sagen, ab welchem Alter ein Herz durch Bluthochdruck eher geschädigt wird?

„Bluthochdruck ist vom Kindesalter bis zum alten Menschen eine Gefahr für Herz, Niere, Gehirn und viele andere Organe. Einzig die Grenzwerte, ab denen man von einem erhöhten Blutdruck spricht, unterscheiden sich je nach Alter.“

Gibt es Patientengruppen, für die andere Richtwerte in Bezug auf einen gut eingestellten Blutdruck gelten?

„Durch Verbesserung der Lebensstilmaßnahmen oder Medikamente sollte der Blutdruck auf Werte von 130 zu 80 mmHG oder leicht darunter gesenkt werden. Neu ist auch in den Leitlinien, dass der Blutdruck nicht wesentlich mit den Medikamenten unter 120 zu 70 mmHg gesenkt werden sollte. Bei den Senioren soll nach dem Fitnessgrad unterschieden werden. Bei den rüstigen und aktiven gelten die Ziele wie für alle anderen auch. Bei weniger guter Verfassung und Gebrechlichkeit strebt man Werte unter 140 mmHg systolisch an, soweit sie vertragen werden. In dieser Gruppe kann man auch Werte bis zu 160/90mmHg akzeptieren.“

Sind Herzschädigungen durch Bluthochdruck z.T. reversibel?

„Ja, das Herz reagiert auf Bluthochdruck mit einem vermehrten Muskelwachstum. Das heißt, die Herzwände werden dicker. Dies geht einher mit einer zunehmenden Versteifung des Herzmuskels. Diese Prozesse sind bei optimaler Therapie in großen Teilen reversibel.“

 

Weitere spannende Fakten und nützliche Tipps über Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfahren Sie bei uns im Dossier, zum Beispiel in unserem Beitrag „Was schädigt unser Herz?“ von Babette Braun.