Wie gut sind wir in Deutschland versorgt?

Wir haben eines der leistungsstärksten und teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Wer in Deutschland krank wird, kann auf ein leistungsstarkes Medizinsystem zählen. Die Finanzierung von und der Zugang zu medizinischer Versorgung sind im europäischen und weltweiten Vergleich erstklassig. Trotzdem leben wir weder länger noch gesünder als andere Westeuropäer. Woran liegt das? Die Statistik kann Hinweise und Antworten geben.

  • Text: Eva Hasel

Überversorgung schafft nicht unbedingt mehr Gesundheit

Mehr Versorgung und Ausgaben gehen also nicht unbedingt mit mehr Gesundheit oder einem längeren Leben einher. Aber woran liegt es? Die OECD schätzt, dass Deutschland bis zu 20 % seiner Gesundheitsausgaben streichen könnte, ohne dass es Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung oder die Qualität der Versorgung hätte. Das liegt vor allem darin begründet, dass momentan viel Geld für Dinge ausgegeben wird, die die OECD als „Überversorgung“ kategorisiert.

Und was ist mit der Eigenverantwortung?

Aber die Ursachen für die große Diskrepanz zwischen medizinischer Versorgung und tatsächlicher Gesundheit sind noch viele komplexer. Sie finden sich nicht nur im Gesundheitssystem, sondern auch in den Patienten selbst. In Westeuropa liegt Deutschland an vierter Stelle, was Übergewicht betrifft, genauso wie beim Anteil der Raucher. In der Kategorie „Alkoholkonsum pro Kopf“ erreicht Deutschland den fünften Platz und liegt damit bei allen drei Faktoren über dem OECD-Durchschnitt.

Gemeinsame Entscheidungsfindung

Das Beste aus unserem Gesundheitssystem holen wir heraus, wenn medizinisches Personal und Patienten zusammenarbeiten. Wenn Patienten Fragen stellen und auch mal infrage stellen. Wenn sie am Gesundbleiben und -werden aktiv mitarbeiten und Verantwortung für sich übernehmen. Und wenn Ärzte sie dazu motivieren können, sie miteinbeziehen und informieren. Aber das erscheint beiden Seiten oft schwierig – ist doch kaum eine Beziehung so von Ungleichheit geprägt wie die Arzt-Patienten-Beziehung. Wenn Wissen und Autorität so asymmetrisch verteilt sind, wie kann man da auf Augenhöhe kommunizieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Modell des Shared Decision Making, zu Deutsch: gemeinsame Entscheidungsfindung.