Senioren-WG zwischen Feldern und Wiesen

Alternative Wohnmodelle für Senioren finden immer wieder als vielversprechende Leuchtturmprojekte Beachtung. In Marienrachdorf im Westerwald hat der Unternehmer Guido Pusch seinen Bauernhof umgebaut in eine WG für Senioren. Den Hof Eiffler kennt man mittlerweile sogar auf der anderen Seite der Welt – wegen seines speziellen Konzepts und des Versprechens, dass jeder Bewohner als Mensch zählt.

Sinnstiftende Arbeit

Die freiwilligen Aufgaben rund um den Bauernhof würden im Alter dafür sorgen, dass sich die Senioren nicht nutzlos fühlten. Und Aufgaben sind viele da: Neben der Versorgung von Rindern, Schweinen und Gänsen können die Bewohner im Fischteich angeln oder sich um die Verpflegung der anderen kümmern. Wenn ein Bewohner nicht helfen mag, muss er nicht, wenn er oder sie es gesundheitlich nicht mehr schafft, ist auch dafür gesorgt. „Niemand muss den Hof verlassen“, lautet Puschs Versprechen. „Hier zählt jeder Einzelne als Mensch. Jeder, der hier lebt, kann bis zum Ende des Lebens bleiben.“

Pflegedienst für alle Fälle

Für diejenigen, die ihr Zimmer gar nicht mehr verlassen können, kümmern sich Pflegedienste. Die Kosten dafür tragen alle zu gleichen Teilen. Der Hofbetrieb ist dabei nicht ausgesetzt. So werden etwa die Hoftiere geschlachtet, Fleischüberschüsse regional verkauft. Es entsteht im Grunde eine Win-win-Situation. Und dennoch ist Guido Pusch immer noch erstaunt, dass es keine Nachahmer gibt.

Ein Blick in die Zukunft

Pusch arbeitet weiter an seinem Konzept. Er will, dass andere alles so weiterführen können, wenn er mal nicht mehr da wäre. Auch will er andere motivieren, es ihm gleichzutun. Er kann in seiner WG nur bis zu 17 Menschen eine Altersheimat bieten. Die sollen es dafür besonders gut haben. Sein neuester Coup: In wenigen Monaten ziehen drei Alpakas auf den Hof. Die Tiere seien aus verschiedenen Gründen tolle Pflegetiere, die die Bewohner auch mal in ihren Zimmern besuchen können. Ein Service, mit dem wohl keine Studenten-WG der Welt mithalten kann.