Gesundheit & Medizin: Vertrauen durch Misstrauen?

Warum bringen Patienten und eigentlich fast alle Bürger ihren Ärzten so viel Vertrauen entgegen? Ist das begründet oder Selbstbetrug? Ein Blick in die Geschichte der medizinischen Wissenschaft – und was sie im Laufe der Zeit gelernt hat.

  • Text: Helmut Laschet

Was soll man dazu sagen, dass unsere Ärzte, als ob sie sich untereinander verschworen hätten, keinen anderen Weg zur Genesung von den Krankheiten des Leibes, der Seele und des Geistes zu finden wissen als Leiden, Schmerz und Qual?“, klagte der französische Essayist Michel de Montaigne im Jahre 1580.

Es sollte noch fast 300 Jahre dauern, bis mit dem Durchbruch der modernen Naturwissenschaften Krankheiten mehr und mehr ihren Schrecken verloren und aus Quacksalbern Ärzte wurden. Einer der Meilensteine war der 16. Oktober 1846, als der Chirurg William Thomas Green Morton an der Harvard Medical School in Boston in Anwesenheit ärztlicher Honoratioren eine Operation mit Äther unternahm, die nahezu schmerzfrei für den Patienten verlief. Dieser „Ether Day“ gilt heute als Geburtstag der modernen Anästhesiologie und damit als unabdingbare Voraussetzung für den Siegeszug der Chirurgie.

Ärzte genießen hohes Ansehen

Ärzte haben heute von allen Berufen das höchste Sozialprestige, weit vor Priestern und Hochschulprofessoren. Auf die Frage der jüngsten Allensbacher Berufsprestige-Studie „Können Sie bitte fünf Berufe heraussuchen, die Sie am meisten schätzen, vor denen Sie am meisten Achtung haben“ nannten 76 Prozent den Arzt, 63 Prozent die Krankenschwester und 49 Prozent den Polizisten.

Vertrauen basiert ganz offenkundig auf Kompetenz, die auch persönlich erfahren worden ist. Sonst könnten die Werte nicht so nahe beieinanderliegen – jeweils gut 90 Prozent. Ein weiterer Aspekt ist, dass es Ärzten offenbar meistens gelingt, ihren Patienten Empathie entgegenzubringen: die Einfühlsamkeit, die in einer Situation der eigenen Hilflosigkeit als lindernd empfunden wird.

Hart erarbeitet: das Vertrauen anderer

Dieses Vertrauen haben sich Ärzte in den vergangenen rund 170 Jahren, in denen die moderne Naturwissenschaft – Biologie, Chemie und Physik, neuerdings aber auch die Informatik – Einzug gehalten hat, hart erarbeitet. Kaum eine andere akademische Ausbildung ist derart langwierig: An das sechsjährige Studium schließt sich für Mediziner heute regelhaft eine Weiterbildung zum Facharzt an, die je nach Spezialisierung weitere fünf bis acht Jahre dauert. Seit mehr als 20 Jahren müssen alle Ärzte, die eine Kassenzulassung haben wollen, als Facharzt anerkannt sein, auch die Hausärzte. Hinzu kommt: Ärzte sind zu lebenslangem Lernen verpflichtet, und das kontrollieren die Ärztekammern mit einem Punktesystem.

 

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