Goethe und die Work-Life-Balance

Es war ein Genie des Wortes, aber auch ein Meister der Lebenskunst: der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Eine Reise durch sein Leben zeigt, ihm war vor allem eine gesunde Work-Life-Balance wichtig. Dafür nahm er sogar ein Sabbatical.

Das Glück beginnt schon mit den Ahnen und einer guten genetischen Ausstattung: Der Vater, gelernter Jurist, war so vermögend, dass er zeitlebens nicht arbeiten musste, gleichwohl aber ein Mann von Prinzipien, Vorbild für den Sohn. Die Mutter, Tochter des Frankfurter Schultheiß’ Johann Wolfgang Textor, war eine liebevolle Frohnatur. Ihr Sohn Johann Wolfgang war ausgestattet mit einem Talent, das Lernen zum Spiel machte – das er allerdings auch konzentriert und konsequent betrieb. Er beherrschte sechs Sprachen, dichtete bereits in Kindheit und Jugend, war Regisseur im Kindertheater. Und doch startete Goethe als Erstes eine bürgerlich-akademische Karriere, studierte in Leipzig Jura, lernte die Rechtspraxis am Reichskammergericht in Wetzlar. Bereits mit 26 hat er „Werther“ und „Götz von Berlichingen“ geschrieben und ist ein europaweit bekannter Autor. Von „ersten genialischen Jahren“ spricht der Goethe-Biograf Rüdiger Safranski, Jahre, in denen alles so leicht von der Hand ging, dass Goethe eines vermisste: die Herausforderung.

Herzog und Genie

Die fand Goethe kurioserweise in dem kleinen, unbedeutenden Herzogtum Weimar mit seinen 80.000 Einwohnern. Dort hatte im Herbst 1775 der gerade 18-jährige Herzog Karl August sein Amt angetreten. Das Herzogtum war bankrott, die Wirtschaft marode, leidend unter einem aufgeblähten Staatsapparat. Goethe, damals 26, sollte dem Herzog als Berater zur Hand gehen, anfangs ohne Gehalt oder Honorar, weshalb er sich notgedrungen und wider Willen von seinem Vater Geld leihen musste. Karl August, ein Großneffe und Bewunderer des Preußenkönigs Friedrich II., sah in Goethe einen zweiten Voltaire – es entstand auf Anhieb eine lebenslange Männerfreundschaft. Bereits nach neun Monaten, im Juni 1776, wird Goethe zum Geheimen Legationsrat mit einem Jahresgehalt von 1.200 Talern (nach heutigem Wert etwa 45.000 bis 50.000 Euro) berufen. „Aus unserer Liebschaft ist eine Ehe geworden“, schreibt Goethe im Überschwang der Gefühle.

Midlife-Crisis mit Anfang 30? Wie ging seine Lebensreise weiter? Mehr zu Goethes Leben lesen Sie in der aktuellen Ausgabe im Artikel „Ich bin dann mal weg!“