Die Pfingstrose: Über das Verhältnis von Glück, Lebenslust und Reichtum

Die Pfingstrose ist mehr als eine Blume. Sie ist nicht nur wunderschön anzugucken und herrlich zu schnuppern, sie ist auch heilsam. Sie ist, wenn man so will, der bunte Strauß des Lebens. An dieses Glück soll sie uns erinnern – genau wie diese Ausgabe.

Daran, was Glück und Reichtum sind, erinnert uns die Pfingstrose. Doch ist sie auch eine große Heilerin. Die heilsame Pfingstrose entfaltet ihre Wirkung auf den Körper, wenn sie maßvoll eingesetzt wird. Andernfalls führt sie zum Erbrechen, ähnlich wie der unkultivierte und maßlose Umgang mit Reichtum, an dem der menschliche Geist erkrankt. Es gibt unterschiedliche Perspektiven auf den Reichtum. Wenn wir davon sprechen, wünschen wir uns oft ein sorgenfreies Leben, gemessen an unseren persönlichen Vorstellungen und weniger ein Leben in Maßlosigkeit. Damit wir den Reichtum, den wir uns vorstellen, genießen können, brauchen wir etwas anderes, nämlich Glück und die Liebe zum Leben.

Die Suche nach dem Glück

Die Suche nach der Antwort auf die Frage, was Glück ist, ist ähnlich herausfordernd wie die Beantwortung der Frage, ob es Gott gibt und was der Sinn des Lebens ist. Existentielle Fragen können nicht endgültig beantwortet werden, weil sie einzig mit dem eigenen Glauben zusammenhängen. Woran wir glauben, können wir uns zunächst nicht einmal aussuchen, denn das hängt davon ab, in welchem sozialen Kontext wir aufwachsen. Wir glauben immer, selbst wenn wir Atheisten sind, dann aber daran, dass wir nicht glauben. Das, woran wir, auch unabhängig von einer Religion, glauben, verwandelt sich mit uns und unseren Erfahrungen.

Urknall des Lebens

Unter der schweren Last der Lebensaufgabe glücklich zu sein oder überhaupt Glück zu empfinden, kann die menschliche Seele zerbrechen. Von Beginn an werden wir mit der Frage konfrontiert, ob wir glücklich sind. Als Kind fällt es uns leicht sie zu beantworten. Während wir aber erwachsen werden, verstehen wir langsam, wie komplex die Frage nach dem Glück ist und schlagartig dreht sich die Welt. Jeder Mensch erlebt zum gegebenen Zeitpunkt, durch einen Schlüsselmoment, den Urknall des eigenen Lebens. Wir lösen uns im Chaos auf und müssen uns wieder selbst zusammensetzen.

Die höhere Erkenntnis

Was uns daran hindert, nicht aufzugeben, ist die Lebenslust, die wir dann in ihrer reinsten Form spüren, den puren Willen zum Sein. Sie mobilisiert ungeahnte Kräfte in uns. Wir ziehen entschlossen in den Kampf gegen das Leben, gegen Menschen, gegen alles. Kämpfe gewinnen wir, wenn wir die Ziele, die wir uns setzen, realisieren. Bald stellen wir fest, dass die Realisierung unserer Träume, der materielle und immaterielle Reichtum, auf den wir hingearbeitet haben, uns nicht glücklicher macht. Wir ziehen erneut in den Kampf, in den größten Kampf, in den Kampf gegen uns selbst.

 

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