Worum es bei der Body-Positivity-Bewegung wirklich geht

Über den Begriff „Body Positivity“ stolpert man aktuell immer häufiger. Aber was genau steckt hinter dem Ausdruck?

Tess Holliday ist ein Model ohne Modelmaße: Die US-Amerikanerin hat Kleidergröße 52 und wiegt 117 Kilo – bei einer Körpergröße von 1,65 Meter. Ihre Speckrollen zierten sogar schon das Titelblatt der Cosmopolitan, einem der international angesagtesten Modemagazine. Das Super-Size-Model steht nicht nur zu seinen Kurven, sondern vermarket sie auch als Ausdruck von „Body Positivity“. So nennt sich eine Körper-Bewegung, die seit den späten 60er-Jahren in Wellen immer wieder aufgetaucht ist und seit einigen Jahren vor allem als Hashtag durch die sozialen Medien tourt. Dazu gibt es Bilder von Frauen und Männern, die zeigen, was sie haben: Pickel, Speckrollen, Falten.

Zu schön um wahr zu sein

Die Social-Media-Redakteurin Ann-Kathrin Seidel beobachtet die Body-Positivity-Bewegung schon länger. Bei den vielen filterlosen Fotos gehe es vor allem um eins: Authentizität. „Was man sieht, hält man für echt. Wenn sich dann aber mein Selbstbild von dem, was ich sehe, unterscheidet, dann muss mit mir ja etwas falsch sein“, sagt Seidel. Maße wie 90-60-90, faltenfreie und reine Haut, volles Haar: Zu schön, um wahr zu sein. Die Körperbewegung entlarve dieses Idealbild, mit dem sich ohnehin kaum jemand identifizieren könne, findet Seidel.

Kurvige Models statt spindeldürre Models

Body Positivity also als Konterreaktion auf einen übertriebenen Schlankheitswahn? „Ich glaube, wir sind es leid, wunderschöne Menschen zu sehen, die so aussehen, wie wir es niemals werden – selbst dann nicht, wenn wir aufhören zu essen und den ganzen Tag Sport treiben.“ Das geht mittlerweile so weit, dass selbst große Modeketten ihre Strategie zu ändern scheinen. Wo vor wenigen Jahren noch mit spindeldürren Models für Bikinis geworben wurde, sind jetzt Kurven zu sehen.

„Body Positivity ist ein Perspektivwechsel“. Was die Diplom-Psychologin Barbara Nacke zu dem Thema sagt, erfahren Sie in der neuen Ausgabe der LEBENLANG.