Dialog zwischen Arzt und Patienten: Ein Interview in der Charité

LEBENLANG traf sich zum Expertengespräch an der Charité, um über die Chancen integrativer Onkologie zu diskutieren. Welche Perspektiven ergeben sich dadurch für Krebspatienten? Welchen Herausforderungen stehen Ärzte und Therapeuten gegenüber? Ein Interview.

„Dem Patienten auf Herzenshöhe begegnen – Prof. med. Jalid Sehouli“

LEBENLANG: Professor Sehouli, Sie plädieren für eine Medizin, die das Humane wieder in die Humanmedizin bringt. Wenn Sie sagen, dass eine Diagnose wie Krebs einen Schockzustand bei den Patienten auslösen kann, beginnt dann schon beim ersten Gespräch mit dem Arzt die Behandlung?

 

Professor Sehouli: Das ist eine sehr philosophische Frage. Wir freuen uns in der Medizin zunächst über die Errungenschaften der sogenannten personalisierten Medizin, d. h., wir verstehen immer mehr, dass jede Erkrankung – damit auch die Krebserkrankung – anders ist. Und dass sich die Krebsarten in die unterschiedlichsten Untergruppen aufteilen lassen. Es gibt jetzt schon Medikamente, die gar nicht mehr einen ganz bestimmten Krebs bekämpfen, sondern eine ganz bestimmte Mutation oder Veränderung des Tumors behandeln. Die wichtigste Arznei ist meiner Meinung nach immer noch die Arzt-Patienten-Kommunikation. Keine neue Therapiestrategie und auch nicht die Digitalisierung kann die Arzt-Patienten-Beziehung ersetzen. Wir wissen, dass Menschen, die sich in sozialen Kontexten befinden und mit sozialen Kontakten in eine Erkrankung gehen, eine bessere Überlebenschance haben als Menschen ohne soziale Kontakte – ohne Partner oder ohne Kinder. Und wenn das stimmt – und dazu gibt es unzählige Studien, die das belegen –, dann ist auch der Arzt Teil dieses sozialen Kontexts.

 

Räumen Sie dann dem Arzt an der Stelle auch ein, Gefühle zu zeigen? Oder anders gefragt: Wo ist die Grenze zwischen der professionellen Abgrenzung und der Empathie auf der anderen Seite?

 

Professor Sehouli: Es ist natürlich eine große Herausforderung, dass das Wissen exponentiell steigt. Dass man immer mehr Schnittstellen oder Probleme hat, weil die Therapien immer komplexer werden. Aber es geht eben auch um diese Achtsamkeit, die Sie eben angesprochen haben. Zu verstehen, dass das Leben für den Krebspatienten nicht mehr das alte ist.

 

Das gesamte Expertengespräch können Sie im Magazin lesen.