Ehrenamt: Wenn Senioren und Studenten unter einem Dach wohnen

In einem Haus am Bremer Stadtrand leben zwei Menschen die unterschiedlicher nicht sein können. Die eine ist 77 Jahre und die andere 20 Jahre alt. Bei Projekten wie „Wohnen für Hilfe“ leben Studenten mit Senioren unter einem Dach. Doch wie funktioniert das genau?

  • Text: Cara Westerkamp

Wohnen bei Senioren

Elke Siemßen heißt die Frau, der das Haus gehört. Anna Fintelmann heißt die, die ihre Enkelin sein könnte. Kennengelernt haben sich die beiden durch das Projekt „Wohnen für Hilfe“, bei dem Studenten, die eine Wohnung suchen, an alleine lebende Senioren vermittelt werden, die ein freies Zimmer haben. Außer Nebenkosten müssen die Studenten keine Miete zahlen, dafür helfen sie den Senioren: Sie putzen das Haus, gießen Blumen, gehen Einkaufen oder lösen Computerprobleme.

Es geht darum nicht alleine zu sein

Wenn Frau Siemßen ehrlich ist, sagt sie: „Es ist eigentlich gar nicht so, dass ich die Hilfe bräuchte. Ich könnte meine Wohnung auch noch alleine putzen. Aber es ist einfach ein schönes Gefühl, jemanden hierzuhaben.“ Als Frau Siemßens Mann plötzlich starb, lebte sie eineinhalb Jahre allein in dem vierstöckigen Haus. Sie ist froh, nun wieder jemanden bei sich zu wissen. Besonders, wenn sie an die Kellertreppe denkt. „Man geht ja immer mit tausend Sachen runter, und wenn ich falle, dann merkt das doch kein Schwein. Ich könnte da wer weiß wie lange liegen. Das ist es schön, dass Anna hier ist.“

Der Austausch zwischen Alt und Jung

Vor Annas Einzug hatte Frau Siemßen bereits zwei weitere Wohnpartnerschaften, die aufgelöst wurden, als die Frauen ihr Studium abgeschlossen hatten. Für sie ist es vor allem der Austausch zwischen Alt und Jung, den sie an dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ schätzt. „Worüber ich mit Eli, meiner vorherigen Mitbewohnerin aus dem Iran alles geredet habe: über die Kultur, die Unterschiede, stundenlang über ihr Liebesleben und Männlein und Weiblein. Mehr als mit meinen eigenen Kindern in der Zeit“, sagt sie. „Für mich ist das die Generation, die ich sonst nicht in meinem Leben habe. Meine Kinder sind älter, die Enkel jünger. Man bleibt auf dem Laufenden.“