Alles relativ? Wie unterschiedlich wir die Zeit wahrnehmen

Zeit ist genauso kostbar wie relativ. Denn Während die physikalische Zeit, die wir mit Uhren messen, berechenbar und unbeeinflusst tickt, ist die subjektiv gefühlte Zeit alles andere als gleichförmig. Welche Rolle unser Körper bei der Zeitwahrnehmung spielt und warum ältere Menschen die Zeit anders wahrnehmen als junge, erfahren Sie im Beitrag von Doris Neubauer.

Wie wir die Zeit wahrnehmen

Lange haben Hirnforscher nach unserer „inneren Uhr“ gesucht. „Wir haben kein Organ für die Zeit, so wie wir Augen für das Sehen oder Ohren für das Hören haben“, erklärt Dt. Marc Wittmann vom Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, „wir haben auch keinen inneren Wecker, der in uns tickt, sodass wir Zeit messen könnten.“

Bei der Einschätzung der Zeit sei vielmehr die „Insula“ aktiv, ein Hirnareal, das normalerweise das Empfinden von Hitze oder Jucken steuert. „Wir nehmen über unsere Körperwahrnehmung auch die Zeit wahr“, schlussfolgert Wittmann. „Ich spüre sie dann, wenn ich sonst nichts tue. Dann bemerke ich mich selbst, und die Zeit dehnt sich.“ Auch das Gegenteil ist bekannt: „Wenn ich abgelenkt bin, komme ich in einen Flow, in eine anregende Tätigkeit“, beschreibt der Wissenschafter, „dann verliere ich meine Selbstwahrnehmung und auch das Zeitgefühl.“

Warum ältere Menschen die Zeit anders wahrnehmen

Es ist paradox: Ziehen sich Minuten des Wartens wie Kaugummi, vergeht der Urlaub wie im Flug. Emotionen, körperliche Signale wie Hunger, aber auch Depressionen oder ADHS beeinflussen unser Zeitempfinden. Der Takt unserer inneren Uhr hängt außerdem vom Alter ab: „Je älter die Leute sind, desto schneller empfinden sie den Zeitverlauf“, hat Marc Wittmann herausgefunden. Allerdings gilt das nur für längere Zeitabschnitte. Wochen oder Monate bis hin zu einem Jahr schätzen alle gleich lang ein.

Das liegt einerseits daran, dass ein Jahr für einen 7-Jährigen einen großen Anteil seines Lebens darstellt, für 70-Jährige hingegen in der Relation kurz ist. Andererseits passiert in den ersten 30 Lebensjahren mehr: der erste Kuss, die erste eigene Wohnung, der erste Job – neue, emotionale Momente prägen sich ein und lassen einen Zeitraum im Nachhinein länger wirken.

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