ASV Rheuma & Biosimilars: Eine neue Hoffnung für Patienten

Mit der Entwicklung von Biopharmazeutika hat sich in den vergangenen 20 Jahren eine stille Revolution bei der Behandlung mancher Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis vollzogen. Doch längst nicht alle Patienten bekommen in Deutschland die beste verfügbare Therapie. Aber es gibt zwei Hoffnungen: Patentabläufe öffnen den Markt für Biosimilars, die Therapie wird kostengünstiger. Und mit der Etablierung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) wird für Patienten der Weg zu den Spezialisten geebnet. Wir klären auf, was es mit dem Kürzel ASV Rheuma auf sich hat und erklären den Begriff und die Besonderheiten von Biosimilars.

  • Text: Helmut Laschet

Was bedeutet das Kürzel ASV?

Hinter dem Kürzel ASV verbirgt sich das Wortungetüm „ambulante spezialfachärztliche Versorgung“. Sie ist in § 116b des Fünften Buches Sozialgesetzbuch, Recht der gesetzlichen Krankenversicherung, geregelt. Damit wird eine neue Versorgungsform für schwere und komplizierte Krankheiten geschaffen. Der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Beschlussgremium von Kassen, Ärzten und Krankenhäusern, bestimmt, für welche Krankheiten eine ASV organisiert werden kann und welche Qualifikationsanforderungen gelten.

ASV Rheuma

Seit Anfang 2018 ist die Organisation der ASV Rheuma möglich. Den Kopf bilden Rheumatologen in Klinik und/oder Praxis. Kennzeichen ist die Kooperation von Klinik- und niedergelassenen Ärzten. Zur ASV gehört ein Teamverbund weiterer kooperierender Facharztgruppen, die regelhaft in Diagnostik und Therapie eingebunden werden. In Deutschland haben sich derzeit etwa 20 ASV-Teams gebildet, die sukzessive ihre Arbeit aufnehmen. In die Versorgung können Patienten im Bestand der Rheumatologen aufgenommen werden, aber auch Patienten, die vom Hausarzt überwiesen werden.

Zu den Vorteilen der ASV zählt: Es gibt keine Honorarbudgets. Innovative Leistungen können erbracht werden, ohne dass der Bundesausschuss dies genehmigen muss.

Was sind Biosimilars?

Biosimilars sind mithilfe von Gentechnik hergestellte Arzneimittel. Ihre sehr komplexen Moleküle entsprechen denen des Originals, dessen Patentschutz abgelaufen ist. Die Zulassung von Biosimilars erfolgt generell zentral für die ganze EU und unterliegt besonders strengen und aufwendigen Anforderungen.

Im Unterschied zu Generika, den Nachbauten von chemischen Arzneimitteln mit einfachen Molekülen, gelten Biosimilars nicht als mit den Originalen identisch. Sie sind aber nach Auffassung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft als gleichwertig anzusehen. Bislang sind keine Sicherheitsprobleme beobachtet worden.

Biosimilars: Option für die Zukunft?

Nach Infliximab und Etanercept ist 2018 auch das Patent des umsatzstärksten Arzneimittels Adalimumab (Handelsname Humira) abgelaufen. Inzwischen gibt es fünf Adalimumab-Biosimilars. Sie haben nach zwölf Monaten einen Marktanteil von 50 Prozent erreicht. Damit werden inzwischen mehr Patienten versorgt, zugleich spart allein die gesetzliche Krankenversicherung aufgrund des bis zu 40 Prozent niedrigeren Preises allein im ersten Jahr rund 160 Millionen Euro.