Schlafstörungen? Warum ein gesunder Schlaf wichtig ist

Innere Unruhe, Angstgefühle und daraus folgender schlechter Schlaf sind belastend und sollten frühzeitig behandelt werden. Über die Hintergrunde und Behandlungsmöglichkeiten haben wir bei Professor Hans-Peter Volz, Arzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie nachgefragt.

  • Text: Claudia Poguntke

Herr Professor Volz, Menschen, die vielfachen Belastungen ausgesetzt sind, wie zum Beispiel pflegende Angehörige, haben mit vielen Stressfaktoren zu tun, die sie nicht einfach „abschalten“ können. Warum ist erholsamer Schlaf gerade dann so wichtig?

Warum das Gehirn die Schlafphase benötigt, ist immer noch nicht vollends erforscht. Man sollte aber wissen, dass unser Gehirn in diesem bewusstseinslosen Zustand nicht schläft oder einfach ausgeschaltet ist, sondern wichtige biologische Reparatur- und Optimierungsaufgaben erledigt. Wir können uns dann maximal an Traum-Aktivitäten erinnern, wenn wir erwachen.

Welche Folgen kann der Schlafentzug für die betreffenden Personen haben?

Schlafentzug kann fatale Folgen haben. Im Schlaf füllen wir unsere Ressourcen, um den nächsten Tag zu bestehen. Da geht es nicht nur um eine subjektive Befindlichkeit. Je weniger wir schlafen, desto mehr Fehler machen wir. Das ist der härteste Befund, weil es messbar ist.

Immer mehr pflegende Angehörige, die im „Rundum-Einsatz“ sind, leiden unter innerer Unruhe, Angstgefühlen zu versagen und in der Folge häufig auch unter schlechtem Schlaf. Sie fürchten durch die Einnahme herkömmlicher Beruhigungs- und Schlafmittel tagsüber nicht fit genug für ihre Aufgaben zu sein. Gibt es noch andere Möglichkeiten und wie können die funktionieren?

Für eine schnelle Wirkung auf das belastendste Symptom, nämlich die Schlafstörungen, werden häufig Benzodiazepine eingesetzt, die dann zu einem tiefen Schlaf führen. Hier spricht man von einer Substanz-vermittelten Sedierung. Allerdings bringen solche Hypnotika auch eine Reihe von Nachteilen mit sich: Denn die sogenannten Überhangseffekte am Folgetag sind nicht ungefährlich. Zum einen ist man schwerer erweckbar und möglicherweise ist die Sedierung so stark, dass die Leistungsfähigkeit, das Reaktionsvermögen oder auch die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt sind. Manche pflanzliche Arzneimittel haben dieses Problem nicht. Baldrianpräparate wirken auch beruhigend, können aber bei manchen Menschen die Fahrtüchtigkeit und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Was passiert denn im Gehirn bei innerer Unruhe und daraus resultierenden Schlafstörungen?

Das berühmte „Gedankenkarussell“, das uns nachts den Schlaf raubt, beruht auf ganz konkreten biochemischen Prozessen in unserem Körper, genauer gesagt im limbischen System des Gehirns. Calcium strömt dort vermehrt in die Nervenzellen ein, die nun in erhöhtem Maß erregende Botenstoffe ausschütten. Bei übereregten Nerven kommt es an den Synapsen, den Verbindungsstellen zwischen zwei Zellen, zur Reizüberflutung.