Türkisch für Altenpfleger – Interkulturelle Pflegedienste

Interkulturelle Pflegedienste wie „Mosaiq“ in Dortmund pflegen Migranten. Die Herausforderung: kommunikative, kulturelle und traditionelle Unterschiede mit dem deutschen Pflegesystem zu vereinbaren.

Multikulturelles Team ist ihren Klienten sehr nah

Das 35-köpfige Team von „Mosaiq“ ist multikulturell. Die Mitarbeiter sind aus acht Nationen, darunter Deutsche, Italiener, Russen, Türken, Marokkaner und Polen. Sie sind mit den unterschiedlichen Nationen, Kulturen, Religionen und Mentalitäten vertraut. Entweder, weil es ihre eigene ist, oder weil sie gelernt haben, sich dem Neuen anzunähern. Dabei sprechen die jeweiligen Angestellten die Sprache ihrer Klienten fließend. „So sind wir den Menschen schnell sehr nah“, sagt Obeidullah Melatyar, Betriebsleiter des Pflegediensts.

Mentalität, Bedürfnisse und besondere Herausforderungen

Kultursensible Versorgung bedeu­tet großen Aufwand, denn die Mentalität und damit verbundenen Bedürfnisse der Migranten lassen sich nicht immer mit dem deutschen System vereinba­ren. So wie viele nicht wissen, dass sie einen Anspruch auf Pflege haben, ver­stehen sie nicht, dass das Verabreichen von Medikamenten strikt dokumentiert werden muss oder nur wenig Zeit für den Besuch der Pflegerin eingeplant ist.

Professionelle Pflege von Alten und Kranken kultursensibel zu gestalten ist laut Betriebsleiter Obeidullah Melatyar ein erfolgreiches Konzept und die Nachfrage groß. Trotzdem konzentriert sich das Unternehmen an seinem neusten Standort auf die Akquise von deutschen Klienten. „Das ist halt einfacher“, sagt er. Auch wirtschaftlich ist die kultursensible Ausrichtung eine Herausforderung. Tourenpläne der Fachkräfte müssen zum Beispiel so geplant sein, dass türkische Pfleger auch türkische Klienten versorgen. Das ist nur mit ausreichend und geschultem Personal zu schaffen. Und dieses ist rar.

Nicht jeder Türke ist Moslem

Andere Pflegedienste spezialisieren sich deswegen nicht direkt auf die Betreuung einer bestimmten Gruppe und stellen entsprechendes Personal ein, sondern schulen ihr Personal unabhängig von Nationalität, Muttersprache und Religion im allgemeinen Bereich der kultursensiblen Pflege. „Am wichtigsten ist auf die individuellen Biografien der Patienten zu achten und diese wertzuschätzen“, sagt Ursula Kreuz, Sozialpädagogin bei der Arbeiter Wohlfahrt. Pflegedienste dürften ihre Klienten nicht alle über einen Kamm scheren. Nicht jeder Türke ist Moslem. Und nicht jeder Moslem lebt seine Religion gleichermaßen aus.

Dieser Artikel ist erstmals in der LEBENLANG-Ausgabe No. 3 erschienen und hat es ins Best-of der Jubiläumsausgabe 2020 geschafft. Hier geht’s zur goldenen LEBENLANG-Ausgabe.