Das Kaleidoskop und seine Geschichte

Das Kaleidoskop ist seit Generationen in sämtlichen Kinderzimmern zu finden. Diese seltsame Röhre, in der man nicht minder eigenartige Gebilde in verschiedenen Farben erblicken kann, wenn man sie bewegt, hat ihre Faszination auch 200 Jahre nach ihrer Erfindung nicht verloren. In unserem Beitrag blicken wir auf die Geschichte des Kaleidoskops.

Wer erfand das Kaleidoskop?

Der Schotte David Brewster, 1781 in der Nähe von Jedburgh ge­boren, war Wunderkind und Universalgenie zugleich. Im Alter von zehn Jahren baute er ein Teleskop und studierte später Theologie sowie Naturwissenschaften. Von 1799 an beschäftigte er sich darin mit der Brechung von Lichtstrahlen und kam auf diesem Gebiet bald zu entscheidenden Ergebnis­sen. 1810 nahm Brewster eine Professur am Lehrstuhl für Physik an der University of St Andrews an. Neben wis­senschaftlichen Forschun­gen hatte er dabei auch Zeit, das Kaleidoskop zu entwi­ckeln.

Was bedeutet Kaleidoskop?

Im Grunde erfand Brewster das Kaleidoskop allerdings nicht neu, sondern griff auf Prin­zipien zurück, die schon 100 Jahre alt waren. Schon kurz nachdem Spiegel im 17. Jahr­hundert zum Alltagsgegen­stand wurden, begann man damit, sogenannte Guckkäs­ten zu bauen, die mit Per­spektiven, Spiegelung und dem Einfall des Lichts spiel­ten. Brewsters nicht zu un­terschätzender Verdienst war es nicht nur, die Funkti­onsweise in ein handliches Format zu bringen, sondern auch, sich einen griffigen Namen zu überlegen. Weil er in der Röhre schöne Formen sah, bau­te er folgerichtig aus den Begriffen ‚kalós’ („schön“), ‚eidos’ („Form“) und ‚skopéin’ („sehen“) das Wort ‚Kalei­doskop’ zusammen.

Der Weg zum Verkaufsschlager

Am 10. Juli 1817 ließ sich Brewster das Gerät patentieren. Als Her­steller für seine Entwicklung wählte er die Manu­faktur von Philip Carpenter in Birmingham, die sich auf Geräte mit Linsen spezia­lisiert hatte. Schnell stellte sich heraus, dass das Kal­eidoskop nicht nur bei Wis­senschaftlern gut ankam, sondern auch als Spielzeug eine große Faszination aus­übte. Deshalb wurden allein in Paris und London inner­halb von nur drei Monaten gigantische 200.000 Exem­plare verkauft. Allerdings stammten diese bei weitem nicht nur aus Carpenters Fa­brik. Brewster hatte das Kal­eidoskop nämlich, bevor das Patent bewilligt wurde, einer Reihe von Londoner Optikern präsentiert – und weil einer von ihnen geschwätzig war, hatten findige Geschäftsleu­te Gelegenheit, ihre Kopien in Massen auf den Markt zu werfen und sich die Taschen vollzumachen. Brewster ver­diente deshalb kaum Geld mit seiner Entwicklung.

Dieser Artikel ist erstmals in der LEBENLANG-Ausgabe No. 6 erschienen und hat es ins Best-of der Jubiläumsausgabe 2020 geschafft. Hier geht’s zur goldenen LEBENLANG-Ausgabe.