Bye, Felicia! Über Trennungsgründe und Pflege-Gewalt

Wenn wir über Paare nachdenken, die jahrzehntelang Seite an Seite durch das Leben gegangen sind, wird uns ganz warm ums Herz. Manchmal aber sehen wir dabei über die Tatsache hinweg, dass eine Trennung längst überfällig ist. Vor allem bei Pflegebedürftigkeit werden die Karten oft neu gemischt.

Trennungsgrund: häusliche Gewalt

Wenn Gewalt ihre langen Schatten auf eine Beziehung gelegt hat, tiefe Ängste mitschwingen und mitunter verzwickte Abhängigkeitsverhältnisse bestehen, dann ist es besonders schwer, eine Partnerschaft zu beenden. Ziel muss also sein, diese Personen, häufig Frauen, rechtzeitig zu ermutigen, den Weg aus der schädlichen Beziehung zu finden. Insbesondere deshalb, weil sich die häusliche Situation oft noch verschlimmert, wenn Pflegebedürftigkeit hinzukommt.

Pflege-Gewalt ist selten ein Thema

„Gewalt in der Pflege ist ein Riesenthema!“ – Das betonte die grüne Bundestagsabgeordnete Elisabeth Scharfenberg 2016 in einer Video-Botschaft. Die Sprecherin für Pflegepolitik und Altenpolitik erinnert daran, dass Gewalt nicht nur körperliche Gewalt meint. Gewalt, das könne auch eine verschlossene Tür sein, sagt sie. Oder bei Pflegebedürftigen: die Nichterfüllung von Bedürfnissen. Das Tabu-Thema Pflege-Gewalt müsse endlich umfassend und nachhaltig angegangen werden, so Scharfenberg.

Die Wurzel der Gewalt Verstehen

Um Pflege-Gewalt zu verhindern müssen wir ihre Ursachen in den Blick nehmen. Ob Beleidigungen, Drohungen oder körperliche Übergriffe: In den meisten Fällen sind Überforderung und Zeitdruck der Grund für Gewalt. Lokale Pflegestützpunkte helfen Ihnen bei der Organisation des Alltags und planen gemeinsam mit Ihnen die Pflege so, dass Sie möglichst stark entlastet werden.

Hilfe für überforderte Angehörige

Wen die Pflege im Rahmen der eigenen Familie emotional zu sehr belastet, der findet zahlreiche staatliche und private Hilfsangebote. Diese zu finden und anzufragen, auch dabei unterstützen die örtlichen Pflegestützpunkte. Wichtig ist: Sehen Sie Ihr familiäres Gefüge nicht als gescheitert, wenn Sie die Pflege selbst nicht stemmen können. Denn es ist schließlich niemandem geholfen, wenn die Überlastung zu Übergriffen führt. Manchmal müssen Pflege-Beziehungen beendet werden, um Partnerschaften oder Familien-Beziehungen aufrecht zu halten.

Dieser Artikel ist erstmals in der LEBENLANG-Ausgabe No. 9 erschienen und hat es ins Best-of der Jubiläumsausgabe 2020 geschafft. Hier geht’s zur goldenen LEBENLANG-Ausgabe.