Ein grenzenlos beschränktes Leben

Karolin Frerich ist jung und chronisch krank. Sie hat Spastiken, das sind schmerzhafte Muskelverkrampfungen. Vier Mal pro Woche zur Krankengymnastik, drei Mal pro Woche zum Arzt und zwei Mal pro Woche spontan Verabredungen absagen, weil die Schmerzen überhandnehmen: So sieht im Schnitt der Alltag von Karolin Frerich aus. Sie ist 27, hat ein Fahrrad und einen Rollstuhl. Die Krankenkasse bezahlt ihr Botox und vielleicht bald ein bisschen Cannabis. Ihre Krankheit heißt „Infantile Cerebralparese“, kurz ICP oder auch Kindliche Hirnlähmung genannt. Mit Opiaten, Spritzen, Botox und vielleicht bald Cannabis versucht die Studentin die Krämpfe zu bekämpfen und schlägt sich so durch ihren Alltag. Eine Spastik ist eine Verspannung der Muskulatur. Wie ein dumpfer, manchmal stechender Muskelkater fühlt sich das an, beschreibt Karolin.

Von der Verkrampfung betroffen sind bei ihr Rumpf, Rücken und die Beine. Wenn ein Schmerzanfall kommt, bleibt er oft ein paar Stunden. Karolin ist eine sogenannte Schmerzpatientin: Sie wird immer mit Schmerzen leben müssen, es geht jetzt nur noch darum, die Symptome ihrer Krankheit ertragbar zu machen. Dann helfen Tabletten, ein Wärmegürtel und ihr Bett. Manchmal sitzt sie auch im Rollstuhl. Der Schmerz zwingt sie täglich an ihre Grenzen – über die sie es aber wohl nie hinausschafft. Doch Tag für Tag lernt sie, mit ihrer chronischen Krankheit klarzukommen. In Deutschland gibt es viele Patienten wie Karolin Frerich, deren man ihre chronische Krankheit nicht immer auf den ersten Blick ansieht. Die Symptome brechen bei chronischen Krankheiten oft in Schüben aus, sodass jeder Tag komplett anders verlaufen kann. Nicht ist vorhersehbar, und doch schaffen diese Patienten es, mit ihrer Krankheit zu leben. Das Besondere einer chronischen Krankheit ist, dass sie nicht heilbar ist. Die Symptome werden zu einem Teil des Patienten, sodass jeder Kampf gegen die Krankheit einem Kampf mit sich selbst gleicht. Karolin muss mit den Schmerzen leben – und nicht gegen sie.