Familie 2.0

Industrialisierung, Globalisierung, Emanzipation: Die Rolle der Familie ist einem ständigen Wandel unterlegen. Auch und nicht zuletzt dank des demographischen Wandels hat das auch großen Einfluss auf das Älterwerden und häusliche Pflege. Erfahren Sie mehr über die moderne Familie in diesem Beitrag von Carolin Makus.

Familien im Laufe der Zeit

Die moderne Familie ist das Produkt zahlreicher gesellschaftlicher Entwicklungen. Von bäuerlicher Sesshaftigkeit über mittelalterliche Dorfplatz-Kultur bis hin zur vorindustriellen Familie: Selten war der Mensch auf sich allein gestellt und noch seltener wirklich fernab der Seinigen. „Der Mensch ist ein Herdentier“, heißt es. Auf Dauer brauchen wir die Sicherheit der Gruppe und die Wärme unserer Mitmenschen. Mit Hinblick auf häusliche Pflege und Fürsorge war sie immer eine tragende Instanz. Doch das Konstrukt wankt. Grund dafür sind verschiedene Trends, die sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Die Globalisierung entfernt Familien voneinander. Moderne Familien sind heutzutage international, d. h. sie leben und studieren über den Globus verteilt.

Kleinere Familien, größere Distanzen

Immer seltener leben Familien in einem Haus, in einer Stadt oder gar in einem Land. Sollte dann ein Mitglied der Familie pflegebedürftig werden und zu Hause gepflegt werden, finden sich die Teile der Familie in einem völlig neuen Gefüge wieder. Familien leben heute weltweit verteilt und werden noch dazu immer kleiner – die Haushalte in Deutschland schrumpfen. Die Einpersonenhaushalte werden zukünftig in Deutschland weiter ansteigen, wohingegen die Zahl der Mehrpersonenhaushalte stetig schrumpfen. Der demographische Wandel verschiebt das Familiengefüge um ein weiteres: Familienmitglieder werden heute immer älter und somit auch eher pflegebedürftig.

Familie 2.0 und die Pflege

Im Schnitt ist ein Mensch sechs Jahre auf Pflegehilfe angewiesen. Früher übernahm die Familie viele Jahre der Pflegezeit, doch heute ist das u. a. aufgrund der kleineren Familiengrößen kaum mehr möglich. Großen Einfluss haben gesamtgesellschaftliche Trends: Mittlerweile darf jeder arbeiten, wer kann und heiraten, wer möchte. Frauen sind immer häufiger voll berufstätig und können die Hauptfürsorge für schwächere Familienmitglieder somit seltener übernehmen. Die häusliche Pflege ist zwar nach wie vor größtenteils durch Frauen geprägt, doch das Zeitkontingent der Frauen ist statistisch gesehen geringer, weshalb es vermehrt zu Stress und Überlastung kommen kann.

Carolin Makus hat für uns diese Familientrends zusammengetragen. Im Folgenden erklärt sie außerdem, welche Instanzen oder Netzwerke in Zukunft die Rolle der Familie in unserer Gesellschaft übernehmen werden.

Dieser Artikel ist erstmals in der LEBENLANG-Ausgabe No. 11 erschienen und hat es ins Best-of der Jubiläumsausgabe 2020 geschafft. Hier geht’s zur goldenen LEBENLANG-Ausgabe.