Der Burnout-Irrtum

Das Burnout-Syndrom gibt es nicht. Eine provokante These und doch ist es so: zumindest an einer wissenschaftlichen, einheitlichen Definition fehlt es beim Burnout. Vielmehr ist es ein Überbegriff, der relativ leichtsinnig harmlose und schwerwiegende Probleme miteinander vermengt. Das kann zum einen dazu führen, dass völlig falsche Behandlungsansätze gewählt werden, die im Zweifel ein Problem verstärken können, statt für Linderung zu sorgen. Das Missverständnis hat auf der anderen Seite aber auch sein Gutes: höhere Akzeptanz durch die Gesellschaft. Statistisch ist es wahrscheinlich, dass jeder im Alltag hin und wieder mit Menschen zu tun hat, die unter Depressionen leiden.

Vollmond, zu viel Koffein, der Tablet-Computer im Bett.

Es gibt viele mehr oder weniger anerkannte Antworten auf die Frage, warum Menschen ab und an länger wach liegen, als ihnen lieb ist, schlecht oder gar nicht einschlafen können. Vielfach ist die Ursache, dass der Kopf tatsächlich nicht die nötige Ruhe bekommt und permanent mit Informationen gefüttert wird. Einfache Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafhygiene können dann für Besserung sorgen.

Mehr Schlaf kann gefährlich werden

Häufig aber ist des Rätsels Lösung nicht so naheliegend, etwa wenn Depressionen dahinterstecken. Eine Selbsttherapie durch mehr Schlaf kann dann wie ein Bumerang wirken, weiß Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: „Schlafentzug ist Teil der Therapie von Depressionen.“ Was für den Laien unverständlich klingt, hat durchaus einen einfachen Hintergrund. So bewirken Depressionen, dass die Systeme im Körper sozusagen aus der Bahn geraten und zu hoch anschlagen. Mehr Ruhe durch Schlaf verstärkt diese Wirkung. In jedem Fall ist die Abklärung durch einen Arzt ratsam, auch weil Depressionen verschiedenste Ausformungen annehmen können. „Der Grund kann weit zurück in der Kindheit liegen“, sagt Hegerl, Depressionen könnten aber auch ganz spontan auftreten, etwa nach einer Klausur.